Cornelius-Fredericks-Strasse
Map Cornelius-Fredericks-Straße 34
LÜDERITZSTRASSE [durchgestrichen: Wort] [deleted: word]
Cornelius Fredericks (auch: Frederiks / *1864 †1907), nahm während des Genozids an den Herero und Nama im damaligen Deutsch Südwestafrika [durchgestrichen: Wort] (heute Namibia) ab 1904 eine Führungsrolle bei den !Aman ein. Diese Gruppe der Nama zog in den bewaffneten Widerstand gegen die deutsche Kolonialaggression, wie etwa gegen die Vertreibung durch Siedler*innen. Die Kolonialverwaltung setzte ein Kopfgeld von 3.000 Reichsmark auf Fredericks aus. Nach seiner Kapitulation wurde er in eines der ersten offiziell so bezeichneten deutschen Konzentrationslager auf der Haifischinsel deportiert. Bis zu 75% der dort internierten Männer, Frauen und Kinder starben an den unhygienischen Bedingungen, den Folgen von Zwangsarbeit und medizinischen Versuchen.
Nach Fredericks' Tod soll sein Kopf zu rassistischen Forschungszwecken nach Berlin gebracht worden sein. Sein Verbleib ist ungeklärt. In Deutschland befinden sich nach wie vor tausende menschliche Gebeine aus der Kolonialzeit.
From 1904, Cornelius Fredericks (also: Frederiks / *1864 †1907) assumed a leading role among the !Aman during the genocide against the Herero and Nama in what was then German South West Africa [durchgestrichen: Wort] (now Namibia). This group of the Nama engaged in armed resistance against German colonial aggression, such as expulsion by settlers. The colonial administration put a bounty of 3,000 Reichsmarks on Fredericks's head. After his surrender, he was deported to one of the first German concentration camps, as it was officially named, on Shark Island. Up to 75% of the men, women and children that were interned there died of the unhygienic conditions, the consequences of forced labor, and medical trials. After Fredericks's death, his head is supposed to have been brought to Berlin for racist research purposes. Its location remains unclear. There are still thousands of human bones from colonial times that are in Germany to this day.
Der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz betrog 1883 die !Aman mit einem gefälschten Landnutzungsvertrag, dem sogenannten „Meilenschwindel“, um ihren Besitz. Dafür wurde er mit dieser Straße von 1902 bis 2022 als
„Kolonialpionier“ geehrt.
Adolf Lüderitz, a merchant from Bremen, defrauded the !Aman of their property with a falsified land usage agreement in 1883, the so-called "mile fraud". For this, he was honored with this street from 1902 to 2022 as a “colonial pioneer”.
Die Umbenennung beendet die Ehrung eines Kolonialbetrügers, dessen Landnahme eine Grundlage für den Genozid war. Sie ermöglicht außerdem den Perspektivwechsel hin zu Persönlichkeiten des antikolonialen Widerstands. Darüber hinaus lädt dieser Ort dazu ein, zu fragen: Wofür – für welche Idee von Gemeinschaft und Verantwortung – Cornelius Fredericks gekämpft hat.
This renaming puts an end to the honoring of a colonial fraudster whose land stealing provided a basis for genocide: it also allows for a change of perspective towards the personalities of anticolonial resistance. Moreover, this place invites us to ask: What was it that Cornelius Fredericks fought for – what kind of idea of community and responsibility?
<Die Tafel steht auf einem steinernen Sockel. Die Tafel zeigt im Hintergrund ein Bild von einem erdigen Boden. Ein kuratorischer Kommentar dazu: Aufgrund des Gewaltzusammenhangs der Fotografie von Cornelius Fredericks im Konzentrationslager „Haifischinsel“ zeigen wir einen verfremdeten Bildausschnitt, der nicht Fredericks zeigt, sondern die Erde, das Land der Haifischinsel, auf dessen Boden er zu Tode kam. Im Vordergrund der Tafel wird Fredericks Führungsrolle im Widerstand gegen den Genozid an den Herero und Nama sowie seinen Tod im ersten deutschen Konzentrationslager erläutert und zudem der unklare Verbleib seines Kopfes aufgrund von rassistischen Forschungszwecken unterstrichen. Zudem erklärt die Tafel den sogenannten „Meilenschwindel“ des bisherigen Namensgebers Adolf Lüderitz und zeigt die neue Namensgebung als Ende eines Prozesses der Ehrung des Kolonialbetrügers auf. Die Gedenkstele wurde mit fünf weiteren am 25.09.2025 im Rahmen des Projektes „Dekoloniale – was bleibt?“ des Teams Erinnerungsort Kolonialismus am Stadtmuseum Berlin unter dem Namen „Wege des Erinnerns“ enthüllt.

