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Carl Hildebrand von Canstein

Gut Lindenberg bei Beeskow 4.8.1667 - Berlin 19.8.1719

Poststraße

Carl Hildebrand von Canstein
Carl Hildebrand von Canstein wurde am 4. August 1667
auf dem Gut Lindenberg bei Beeskow geboren.
Er studierte Jura in Frankfurt (Oder) und wurde
dann als Kammerjunker im Berliner Schloss
angestellt. Er nahm am flandrischen Feldzug
teil, bei dem er schwer an der roten Ruhr
erkrankte. Den Tod vor Augen gelobte er
zukünftig Gott zu dienen.
Daraufhin kündigte von Canstein den
Heeres- und Hofdienst. Bedeutsam
wurde ihm die Bekanntschaft mit
Philipp Jacob Spener, dem Propst an
St. Nicolai zu Berlin. Durch Spener lernte
von Canstein August Herrmann Francke
und dessen Werk in Halle kennen.
Von Canstein war von der Frömmigkeit Franckes
und von seiner vielseitigen praktischen Tätigkeit
für die armen Menschen beeindruckt.
In der Bibel las er: „Lasset das Wort Christi unter
euch reichlich wohnen in aller Weisheit” (Kol 3,16).
Er nahm diese Aufforderung wörtlich und veröffent-
lichte am 1. März 1710 seinen Spendenaufruf mit dem
Titel: „Ohnmaßgeblicher Vorschlag, wie Gottes Wort
denen Armen zur Erbauung um einen geringen Preis
in die Hände zu bringen (sei)”.
Noch im gleichen Jahr wurde die erste Bibelgesell-
schaft der Welt mit dem Sitz „in Halle, zu finden im
Waysen-Hause” gegründet.
1712 erschien das Neue Testament und 1713 die erste
Vollbibel. Diese wurde zum Preis von 2 bzw. 6
Groschen verkauft. In den ersten 90 Jahren wurden
2 Mio Vollbibeln und 1 Mio Neue Testamente
durch die von Cansteinsche Bibelanstalt ge-
druckt und verkauft.
Von Canstein wohnte im Nikolaiviertel an
der Poststraße, vermutlich in der Nummer
27 der damaligen Zählung, In seinem Haus
bot er Räume für eine Buchhandlung und
eine Apotheke - beides Aussenstellen[!] der
Franckeschen Stiftungen in Halle.
Carl Hildebrand von Canstein ist am 19.
August 1719 nach einer schweren Krank-
heit - wieder die rote Ruhr - plötzlich gestorben
und wurde in der St. Marien-Kirche beigesetzt.
English:
Carl H. Von Canstein was born in Gut Lindenberg
near Beeskow 1667. Inspired by Col 3:16 he decided to
establish a Bible Society in Halle in 1710 - the very first of
ist kind. According to von Canstein, the Bible Society
should print affordable Bibles in order to spread the word of
God to everyone. Around 1800 nearly two million complete
Bibles were printed and sold. Von Canstein lived in the
Nikolai-Quarter where he owned a house with a bookshop
and a pharmacy. He died 1719 and was buried in St. Mary’s
Church in Berlin.

Die Gedenktafel ist an der Ecke von Poststraße und Propststraße zu finden. Die Glasacryltafel zeigt in der Mitte ein Medaillon mit dem Brustbild von Cansteins, die Inschrift links und rechts davon. Sie wurde aus Anlass der Gründung der ersten Bibelanstalt der Welt vor 300 Jahren in Halle angebracht. Zur Enthüllung am 24.10.2010 sprachen der evangelische Landesbischof Dr. Markus Dröge und Harald Grün-Rath (von Cansteinsche Bibelanstalt).

In der südlichen Eingangshalle der St. Marienkirche befindet sich an der westlichen Wand eine moderne - nicht aus der Beisetzungszeit Cansteins stammende - Bronzetafel mit der Inschrift:

CARL HILDEBRAND / FREIHERR VON CANSTEIN / GRÜNDER / DER ÄLTESTEN BIBELANSTALT / 1719 / HIER BEIGESETZT

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