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Bronzegießerei Albert und Siegfried Loevy

Platz der Republik

Die Inschrift über dem Westportal des Reichstagsgebäudes »DEM DEUTSCHEN VOLKE« wurde
Ende 1916 von der Berliner Bronzegießerei Albert und Siegfried Loevy (1856-1925; 1859-1936)
angebracht. Deren Familien wurden - weil sie Juden waren - Opfer des Nationalsozialismus.
Sie wurden verfolgt, enteignet und in Plötzensee, Theresienstadt und Auschwitz ermordet.

Die Tafel befindet sich am Westeingang des Reichstagsgebäudes. Enthüllt wurde sie am 16. Oktober 2001 durch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse in Anwesenheit der in New York lebenden Enkelin Albert Loevys, Ruth Kopf, und weiterer Nachkommen der Bronzegießer.

Der Journalist Armin D. Steuer stieß 1990 bei einer Recherche über das Reichstagsgebäude auf die Firma S.A. Loevy, erfuhr dabei deren Geschichte von Renommee und Verfolgung, und regte die Gedenktafel an: „‚Damals las ich, dass der Kaiser die Bronzegießerei S. A. Loevy 1916 beauftragt hatte, die vom Architekt(en) Peter Behrens entworfenen Lettern zu gießen - aus zwei in den Freiheitskriegen von 1815 erbeuteten französischen Kanonen.‘“ (Berliner Morgenpost, 15.10.2001)
Die bedeutende Bronzegießerei wurde 1855 Samuel Abraham Loevy begründet, dessen Söhne sie seit 1888 führten, seit 1910 mit dem Zusatz „königlicher Hoflieferant“. Der Riss der Assimilation zog sich mitten durch die Familie. Siegfried Loevy ließ 1918 seine Kinder taufen und 1918 adoptieren (sie hießen fortan Gloeden), Albert blieb mit seiner Familie dem elterlichen Glauben treu. 1939 wurde die Firma „arisiert“. Erich Gloeden, der durch seinen „unverfänglichen“ Namen geschützt war, half vielen Verfolgten. 1944 nahm er den nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 auf der Flucht befindlichen General Fritz Lindemann bei sich auf (in der Charlottenburger Kastanienallee 23), wurde denunziert und zusammen mit seiner Frau und deren Mutter am 30. November 1944 in Berlin-Plötzensee ermordet. Andere Familienmitglieder entkamen der NS-Verfolgung durch Flucht ins Ausland oder wurden in Konzentrations- und Vernichtungslagern ums Leben gebracht. Das Jüdische Museum widmete Anfang 2003 der Familie Loevy eine Ausstellung.

 

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