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Blücher-Kaserne / Adler von Metz

Sakrower Landstraße 100

Der Adler von Metz
Am 27. Oktober 1870 feierten vor den Toren der Festungsstadt Metz
jüdische Soldaten unter dem Schutz ihrer christlichen Kameraden
einen Feldgottesdienst zum Jom Kippur
(Tag der Versöhnung, höchster jüdischer Feiertag).
Nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 wurde in
Metz auf der Mosel-Insel Chambière ein Soldatenfriedhof eingerichtet,
auf dem die Gefallenen beider Seiten beigesetzt wurden. Den Friedhof
schmückte der auf einer hohen Steinsäule seine Schwingen
ausbreitende Preußische Adler.
Der Adler von Metz steht heute als ein Symbol für die Integration von
Soldaten unterschiedlicher Konfessionen.

Die Skulptur des „Adlers von Metz” ist auf einem am 21.6.2007 enthüllten Findling vor dem Casino ( Julius-Schoeps-Haus) befestigt, auf dem auch obige Inschrift auf einer Messingtafel steht. Unter dem Adler steht auf einer kleineren Messingtafel:

Dem Lazarettregiment 31 Berlin
überlassen durch
Herrn Enno Stephan, Varel
im Februar 2007

Es existieren zwar verschiedene spätere Abbildungen des in der Inschrift genannten Feldgottesdienstes, schriftliche Belege finden sich nicht. Das Versöhnungsfest 1870 fiel auf den 4./5. Oktober. Für dieses Datum sind auch Gottesdiensthandlungen durch den aus Mannheim entsandten jungen Rabbiner Dr. Blumenstein bezeugt, jedoch nicht unter freiem Himmel, sondern in einem Bauernhaus mit 60-70 jüdischen Soldaten. Am 27.10.1870 hingegen kapitulierte die Garnison Metz. Dies gibt Grund zu der Annahme, dass hier erstens eine Datumsverwechslung vorliegt und zweitens die tatsächlichen Gottesdiensthandlungen später heroisiert wurden. Ehrenwert anzuerkennen bleibt das Bemühen um interkonfessionelle Kooperation und Verständigung.

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