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Betonschlackehaus

Türrschmidtstraße 17

Das Betonschlackehaus Türrschmidtstraße 17
Dieses Haus wurde um 1875 vollständig,
d.h. Wände, Decken und Treppenläufe
aus Stampfbeton ohne Stahleinlagen
(ohne Bewehrung) errichtet. Die in
England entwickelte Technik erprobte
die Berliner Cementbau AG von 1872-
1875 hier in der Victoriastadt. Bauherren
waren die Gebrüder
Lehmann, die in Rummels-
burg eine Woll- und
Plüschwarenfabrik betrie-
ben. Sie versuchten der
großen Wohnungsnot in
Berlin entgegen zu wir-
ken und günstigen Wohn-
raum zu schaffen. Im Zuge
dessen planten sie 200 Häuser und
benannten die Siedlung nach der engli-
schen Königin „Victoria Colonie”. Von
den tatsächlich gebauten 70 Häusern
sind heute nur noch sechs erhalten, und
es ist wenig bekannt, dass es den
Betonbau schon zu dieser Zeit gegeben

hat. In den 130 Jahren seiner Existenz
erfuhr das Wohnhaus mehrere Umbau-
maßnahmen. So lag der Hauseingang
ursprünglich in der Mitte der Straßen-
fassade. Bis circa 1889 gab es auf jeder
Etage - auch im Keller - vier Wohnungen,
die aus Küche und Stube bestanden. Es
gab nur eine Toilette im
Hof für alle Mieter. Nach
dem Erwerb des Hauses
durch Ludwig Ewert wur-
den im EG zwei Läden ein-
gebaut. Das Treppenhaus
erhielt einen Anbau mit
Podesttoiletten. 1895 ließ
er im Hof ein viergeschos-
siges Hinterhaus errichten (um 1970
abgebrochen).
Dieses Haus ist heute als Einzeldenkmal
geschützt und wurde 2001, nach 14-
jährigem Leerstand, mit Fördermitteln
des Städtebaulichen Denkmalschutzes
restauriert.

Die gerahmte Glastafel ist in die Fassade eingelassen, so dass Betonschlacke sichtbar wird. Zu dessen besserer Sichtbarkeit ist auch die in zwei Blöcken geschriebene Inschrift jeweils im mittleren Bereich in der Länge der Zeilen verkürzt (im linken Block linsbündig, im rechten rechtsbündig). Damit entsteht ein Sichtfenster.
Bei den Fabrikanten „Gebrüder Lehmann” handelte es sich (nach Berliner Adressbüchern) um Alfred, Anton und Ludwig Lehmann. Der Namensgeber der Türrschmidtstraße war der Ingenieur Albrecht Constantin Türrschmi(e)dt, der sich mit der Technik des Hausbaus mittels Beton befasste, jedoch schon 1871 das letzte Mal im Berliner Adressbuch aufgeführt wird und an den Betonschlackehäusern in der Viktoriastadt daher nicht unmittelbar beteiligt gewesen sein kann. Sein Grabmal ist auf dem Friedhof II der Domgemeinde, Wedding, Müllerstraße 72-73, links an der Mauer erhalten.

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