zurück zur Suche
Ansicht Gedenktafel Arnold Berliner
Ansicht Gedenktafel Arnold Berliner - Bild 1

Arnold Berliner

Mittel Neuland (Średnia Wieś) bei Neiße (Nysa/Polen) 26.12.1862 - Berlin 22.3.1942

Map Kurfürstenstraße 56

DR. ARNOLD BERLINER
26.12.1862 - 22.3.1942
Der Physiker Dr. Arnold Berliner gründete 1913 die Zeitschrift
„Die Naturwissenschaften“.
Die vom Julius Springer Verlag publizierte Wochenschrift
informierte im deutschen Sprachraum über ein breites
Spektrum der Naturwissenschaften und bot die Möglichkeit,
neue Erkenntnisse rasch und fächerüber-
greifend bekannt zu machen.
Der Erfolg der Publikation beruhte vor
allem auf Arnold Berliners Engagement
und seinen persönlichen Kontakten.
Fortwährend gewann er bedeutende
Forschungspersönlichkeiten für neue
Beiträge. Ab 1924 war die Zeitschrift
offizielles Organ der Kaiser-Wilhelm-
Gesellschaft. Die Zeitschrift und sein
großes interdisziplinäres Netzwerk
machten Arnold Berliner zu einer
zentralen Figur der deutschen Wissen-
schaft im 20. Jahrhundert.
Ab 1933 versuchte Berliner, der zunehmenden national-
sozialistischen Diffamierung seiner Arbeit entgegenzutreten.
1935 gab der Julius Springer Verlag dem politischen Druck
nach und entließ den Herausgeber, weil er als Jude galt.
Arnold Berliner durfte das Verlagsgebäude nicht mehr
betreten und konnte das von ihm begonnene Werk nicht
mehr begleiten. Die zunehmenden
Ausgrenzungen und Diskriminierungen
raubten ihm seine Schaffenskraft sowie
seinen Lebenswillen. Als ihm zuletzt seine
Wohnung in der Kielganstraße 5 weg-
genommen werden sollte, flüchtete sich
Dr. Arnold Berliner am 22. März 1942 in
den Tod.

Über dem Text und in ihn eingeblockt befinden sich ein Foto und zwei Abbildungen. Deren Unterschriften lauten (v. o. .n. u.):

Arnold Berliner vor der ETH Zürich, Jahr unbekannt

Die Zeitschrift ist bis heute unter dem
Titel "The Science of Nature" ein Flaggschiff
des Julius Springer Verlags. Zu Ehren des
Gründungsherausgebers vergibt der Verlag
seit 2013 den Arnold Berliner Award.

Arnold Berliner berichtete seinem Freund,
dem Physiker Paul Epstein, von seiner
Entlassung 1935.

Unter dem Text befindet sich ein QR-Code und der Hinweis (auch in Blindenschrift):
Weitere Informationen 
auf der Webseite 
www.berlin.de/ba-ts/gedenktafeln

Auf dem linken, rot gehaltenen Teil der Tafel steht senkrecht von unten nach oben: Erzählen / Erinnern / Gedenken  und TEMPELHOF-SCHÖNEBERG 

Etwa um 1870 zogen Berliners Eltern nach Breslau. Dort machte er 1891 sein Abitur und studierte anschließend in Berlin und Breslau Physik, Mathematik und Chemie. Nach der Promotion arbeitete er ab 1887 fast 24 Jahre lang bei der AEG, zuletzt als Direktor der Glühlampenproduktion.

1912 gründete er die Wochenschrift “Die Naturwissenschaften”, die bis heute im Wissenschaftsverlag von Julius Springer erscheint. Die erste Ausgabe erschien am 3. Januar 1913. Er war der Herausgeber, bis ihm, der 1905 aus dem Judentum ausgetreten war, wegen seiner Herkunft unter der “Rasse-Gesetzgebung” im nationalsozialistischen Deutschland am 13.8.1935 von einem Tag auf den anderen seine Tätigkeit und das Betreten des Verlagsgebäudes untersagt wurde. In den nachfolgenden Jahren wurde es einsam um ihn. Bis zuletzt besuchte ihn der Physik-Nobelpreisträger Max von Laue wöchentlich. 

Die Gedenkfeier vor der Enthüllung am 24.3.2026 fand im Haus der Lukas-Gemeinde, Kurfürstenstraße 133, statt. Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann (Tempelhof-Schöneberg) sprach ein Grußwort, die bewegende Laudatio hielt Dr. Stefan Wolff vom Forschungsinstitut für Technik- und Wissenschaftsgeschichte des Deutschen Museums (München). 

Anschließend enthüllten Herr Oltmann und Herr Dr. Wolff die an einem Metallpfosten befestigte Tafel auf dem Bürgersteig an der Ostseite der Einmündung der Derfflingerstraße in die Kurfürstenstraße (die in ganzer Breite zum Bezirk Mitte, Ortsteil Tiergarten gehört).

Berliner wohnte in der gegenüberliegenden Kielganstraße 5 in der zweiten Etage. Er nahm sich das Leben, nachdem - wie Dr. Wolff berichtete - ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amts seine Wohnung besichtigte und Interesse an ihr bekundete. Das bedeutete den absehbaren Verlust und erzwungenen Umzug oder Deportation. Er wurde am Morgen des 23. März 1942 tot in seinem Lehnstuhl aufgefunden. Eine zerbrochene Glasampulle lag auf dem Boden. Beigesetzt ist er auf dem Städtischen Friedhof Heerstraße, Trakehner Allee 1, 10 F - 012 (UW), im gemeinsamen Grab mit seiner 1931 gestorbenen Schwester Fanny.

zurück