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Albrecht Haushofer

München 7.1.1903 - Berlin 23.4.1945

Alt-Moabit 101

Albrecht Haushofer
*7. Januar 1903
+23. April 1945
Professor für politische Geographie
Wissenschaftler
Autor von Dramen und Gedichten
Nach dem 20. Juli 1944
Haft im Zellengefängnis Berlin-Moabit.
Dort Niederschrift der „Moabiter Sonette“.
In der Nacht vom 22. auf den 23. April 1945
nahe dem Lehrter Bahnhof
mit 12 anderen Widerstandskämpfern
ermordet.

•Schuld•
Ich trage leicht an dem, was das Gericht
mir Schuld benennen wird: An Plan und Sorgen.
Verbrecher wär ich, hätt ich für das Morgen
des Volkes nicht geplant aus eigner Pflicht.

Doch schuldig bin ich, anders als ihr denkt!
Ich musste früher meine Pflicht erkennen.
Ich musste schärfer Unheil Unheil nennen, mein Urteil hab ich viel zu lang gelenkt...

Ich klage mich in meinem Herzen an:
Ich habe mein Gewissen lang betrogen, ich hab mich selbst und andere belogen -

Ich kannte früh des Jammers ganze Bahn.
Ich hab gewarnt - nicht hart genug und klar!
Und heute weiß ich, was ich schuldig war.


•Rattenzug•
Ein Heer von braunen Ratten frisst im Land.
Sie nähern sich dem Strom in wildem Drängen.
Voraus ein Pfeifer, der mit irren Klängen
zu wunderlichen Zuckungen sie band.

So liessen sie die Speicher voll Getreide -
was zögern wollte wurde mitgerissen,
was widerstrebte, blindlings totgebissen -
so zogen sie zum Strom, der Flur zuleide...

Sie wittern in dem Brausen Blut und Fleisch,
verlockender und wilder wird der Klang -
sie stürzen schon hinab den Uferhang --

Ein schriller Pfiff - ein gellendes Gekreisch:
der irre Laut ersäuft im Sturmgebraus.
Die Ratten treiben tot ins Meer hinaus.


•Heimat•
Man hat mich über meine Flucht befragt,
warum ich nicht den Weg zum Rhein genommen,
zur nahen Schweiz den jungen Strom durchschwommen,
bevor man gründlich erst nach mir gejagt.

Ich wollte nicht aus meiner Heimat gehn.
Sie schien mir lange guten Schutz zu gönnen.
Dann hat auch sie mich nicht mehr bergen können.
Ich werde lebend kaum sie wiedersehn.

Doch bleibt es tröstlich, ihrer Berge Mauern
im Hintergrund von Alm und Hof zu wissen,
muss ich auch selbst den Hauch der Gipfel wissen.

Die silbergrauen Wände werden dauern,
ob sie der Mensch durchklettert oder flieht,
bis neues Eis die Felsen rings umzieht.

Die viereckige Säule aus hellem Granit steht direkt neben dem Weg an der Spree. Sie trägt eine Büste Haushofers. An den vier Seiten sind Bronzetafeln befestigt. Die Tafel an der Frontseite trägt die Inschrift mit den allgemeinen Informationen. Die drei anderen Tafeln tragen Texte Haushofers aus den „Moabiter Sonetten“.

Enthüllt wurde das von der Ernst-Freiberger-Stiftung gestiftete Denkmal durch Bundesinnenminister Otto Schily, den Unternehmer und Spreebogen Bauherr Ernst Freiberger, sowie den tschechischen Bildhauer Josef Nálepa am 7. Januar 2002. Freiberger erwarb das ehemalige Bolle-Gelände im Jahr 1989 und gab ihm seine heutige Gestalt und Funktion. Er will den Weg am Spreeufer zu einer „Straße der Erinnerung“ gestalten, an der „Helden ohne Degen“ des 20. Jahrhunderts geehrt werden.

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