zurück zur Suche

Albert Kayser / Otto Schmirgal

Stettin (Szczecin/Polen) 28.11.1898 - KZ Buchenwald 18.10.1944 / Bentschen Krs. Meseritz/Provinz Posen (Zbaczýn/Polen) 16.12.1900 - Brandenburg 24.10.1944

Holzmarktstraße 15

ZU EHREN UND ZUM GEDENKEN AN UNSERE KOLLEGEN
ALBERT KAYSER
OTTO SCHMIRGAL
SIE GEHÖRTEN ZU DEN FÜHRERN DES GROSSEN BVG-STREIKS 1932
UND WURDEN WEGEN IHRES WIDERSTANDES GEGEN DEN NATIONALSOZIALISMUS
EINGEKERKERT
UND IM OKTOBER 1944 ERMORDET.
UNSER GEDENKEN GILT IHNEN UND ALL DEN KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN
UND IHREN ANGEHÖRIGEN, DIE WIDERSTAND LEISTETEN, VERFOLGTE SCHÜTZTEN,
OPFER DES KRIEGES UND DER GEWALT WURDEN.
ES SEI UNS STETE VERPFLICHTUNG, MIT ALL UNSERER KRAFT FÜR FRIEDEN,
FREIHEIT, GERECHTIGKEIT UND VÖLKERVERSTÄNDIGUNG EINZUTRETEN.

Die Bronzetafel ist im Eingangsbereich der BVG-Zentrale links an der Wand hinter einem Sockel mit dem Kopf von Ernst Reuter angebracht.
Eine Vorgängertafel befand sich im Eingangsfoyer des Verwaltungsgebäudes der (Ost-)Berliner Verkehrsbetriebe (BVB), Mitte, Rosa-Luxemburg-Straße 2. Sie verschwand bald nach der Wiedervereinigung Berlins.

Die Inschrift der links neben der Pförtnerloge angebrachten Tafel lautete:
IN DEN BERLINER VERKEHRS-BETRIEBEN
ARBEITETEN UND KÄMPFTEN
DIE STANDHAFTEN FUNKTIONÄRE DER ARBEITERKLASSE
ALBERT KAYSER
OTTO SCHMIRGAL
SIE WAREN DIE FÜHRER DES GROSSEN BVG STREIKS 1932
UND WURDEN WEGEN IHRES KAMPFES
FÜR FRIEDEN UND SOZIALISMUS
VON DEN FASCHISTEN EINGEKERKERT
UND IM OKTOBER 1944 ERMORDET.
IHR ANDENKEN IST UNS VERPFLICHTUNG
NICHT EHER ZU RUHEN
BIS IMPERIALISMUS, MILITARISMUS UND FASCHISMUS
IN DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG BESEITIGT SIND.

Die Erwähnung Deutschlands auf der Tafel ist ein möglicher Hinweis auf einen Anbringungstermin vor dem Inkrafttreten der DDR-Verfassung von 1968, mit der der Anspruch auf Vereinigung und staatliche Einheit aufgegeben wurde.

Albert Kayser war als Betriebsratsvorsitzender der BVG maßgeblich an der Leitung des BVG-Streiks vom 3.-7. November 1932 beteiligt, in dem Kommunisten und Nazis gemeinsam agierten. Es war wenige Tage vor den Reichstagswahlen vom 6. November auch ein politischer Streik, bei dem es um mehr ging als dem Kampf gegen eine Lohnsenkung von zwei Pfennigen pro Stunde. Kayser war seit Juli 1932 auch Reichstagsabgeordneter der KPD. Unmittelbar nach dem Reichstagsbrand war er zunächst bis Dezember 1933 inhaftiert, arbeitete dann im Untergrund für die KPD, wurde 1935 erneut verhaftet und zum Tode verurteilt. Nach der Umwandlung des Urteils in lebenslange Haft kam er über die Zuchthäuser Berlin-Plötzensee und Brandenburg Ende 1943 in das KZ Buchenwald, wo er an den Folgen jahrelanger Mißhandlungen und Entbehrungen und einer Fleckfiebererkrankung starb.

Der zentralen Streikleitung beim BVG-Streik 1932 gehörte auch der Kommunist Otto Schmirgal an, der ab 1933 wegen illegaler Arbeit mehrfach, zuletzt am 4.2.1942, verhaftet wurde. Er arbeitete in der Illegalität in der Gruppe um Robert Uhrig. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn Anfang September 1944 zum Tode. Er wurde im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Eine Grabstätte für beide (zusammen mit einem Menschen namens Raschke) befindet sich auf dem Urnenfriedhof Wedding, Seestraße 93a/Müllerstraße 42, Abt. VIII 10/470 (Ehrengrab).

zurück