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Aktion T 4

Tiergartenstraße

Ehre
den vergessenen
Opfern
An dieser Stelle, in der Tiergartenstraße 4,
wurde ab 1940 der erste national-
sozialistische Massenmord organisiert,
genannt nach dieser Adresse: "Aktion T 4".
Von 1939 bis 1945 wurden fast 200 000
wehrlose Menschen umgebracht.
Ihr Leben wurde als "lebensunwert"
bezeichnet, ihre Ermordung hieß
"Euthanasie". Sie starben in den
Gaskammern von Grafeneck, Brandenburg,
Hartheim, Pirna, Bernburg und Hadamar:
sie starben durch Exekutionskommandos,
durch geplanten Hunger und Gift.
Die Täter waren Wissenschaftler, Ärzte,
Pfleger, Angehörige der Justiz, der Polizei,
der Gesundheits- und Arbeitsverwaltungen.
Die Opfer waren arm, verzweifelt, aufsässig
oder hilfsbedürftig. Sie kamen aus
psychiatrischen Kliniken und
Kinderkrankenhäusern, aus Altenheimen
und Fürsorgeanstalten,
aus Lazaretten und Lagern.
Die Zahl der Opfer ist groß, gering die Zahl
der verurteilten Täter.

Die in den Bürgersteig eingelassene Bronzetafel erinnert an die Opfer des nationalsozialistischen "Euthanasie"-Mordprogramms. 

Die 3,16m x 3,16m große bronzene Gedenktafel wurde von Volker Bartsch in Abstimmung mit dem amerikanischen Künstler Richard Serra gestaltet, dessen Skulptur "Berlin Junction" (1987) in unmittelbarer Nähe steht. Sie ist aus sieben Platten zusammengeschweißt und wurde - so eine Eingravierung ganz rechts unten - von der „Kunstgießerei Herbich 1989“ hergestellt. Enthüllt wurde sie durch Bezirksbürgermeister Wolfgang Naujokat, am 1. September 1989, in Anwesenheit der Senatorin für Kulturelle Angelegenheiten, Dr. Anke Martiny, und des Präsidenten der Ärztekammer Berlin, Dr. Ellis Huber.

Am 25. Oktober 2007 wurden von Ronnie Golz gestaltete und von dem Berliner Unternehmer Hans Wall finanzierte ergänzende Infotafeln an zwei Bushaltestellen gegenüber der Philharmonie enthüllt. Die Texte sind auf der linken Seite in deutscher und auf der rechten Seite in englischer Sprache verfasst. Die deutsche Inschrift lautet:

Die „Aktion T4" und der Holocaust
In der Nähe dieser Haltestelle befand sich bis zum Ende des
2. Weltkrieges die Villa Tiergartenstrasse 4. Aus dieser Anschrift
entstand die Bezeichnung „Aktion T4" für die Vergasung von mehr
als 70.000 psychisch Kranken 1940
41. Insgesamt fielen
dem nationalsozialistischen Krankenmord mehr als 200.000
Menschen mit psychischen und körperlichen Behinderungen
zum Opfer. „Gemeinnützige Stiftung für Anstaltspflege” war der
Tarnname für eine Organisation, die sich die „Vernichtung
lebensunwerten Lebens” zum Ziel gesetzt hatte. Ab Sommer 1941
begann die Vernichtung der europäischen Juden. Am Aufbau der
Vernichtungslager waren Baufachleute der Aktion T4 maßgeblich
beteiligt. Auch ein Teil des deutschen Wachpersonals in den
Vernichtungslagern in Polen war zuvor bei der Aktion T4 tätig.
Ein Beispiel von vielen:
Christian Wirth (1885-1944)
Christian Wirth nahm im Januar 1940 an den ersten Probe-
vergasungen von etwa 15 Patienten in der Stadt Brandenburg teil.
Auch in Hartheim, Grafeneck und Hadamar war er an der Aktion
T4 beteiligt. Im Herbst 1941 leitete Wirth den Aufbau des
Vernichtungslagers Be??ec im südlichen Polen. Die dort ankom-
menden Juden wurden mit den Abgasen von Dieselmotoren
ermordet. Ein halbes Jahr später wurde Wirth zum Inspekteur der
drei Vernichtungslager Be??ec, Sobibor und Treblinka befördert.
Im November 1943 wurden diese Lager aufgelöst. Wirth wurde
mit anderen Angehörigen der Aktion T4 nach Triest versetzt, wo
er das Lager San Sabba einrichtete und an der Ermordung von
Juden beteiligt war. Bei einem Gefecht mit Partisanen wurde er
im Frühjahr 1944 erschossen.

Am 10. Juli 2008 wurde eine weitere (dritte) Informationstafel durch Kulturstaatssekretär André Schmitz enthüllt.

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