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Adolf Kurtz

Berlin 16.8.1891 - Wembley Park bei London 25.9.1975

An der Apostelkirche 1

In der Zwölf-Apostel-Gemeinde wirkte von 1922-1948
Pfarrer Adolf Kurtz
*16.8.1891 Berlin - +25.9.1975 London
Mitglied der Bekennenden Kirche, unterstützte unter Lebensgefahr
in der Zeit des Nationalsozialismus mit einer „Hilfestelle”
vor allem verfolgte Christen jüdischer Herkunft
und half ihnen, das Land zu verlassen.
Mitbegründer einer Schule für Kinder jüdischer Herkunft
in der Oranienburger Straße.
Als Pfarrer der deutschen Gemeinde in Oxford (1948-1962)
maßgeblich am „Versöhnungswerk von Coventry” beteiligt.

Aus der Einladung zur Gedenktafelenthüllung: „In der Inflationszeit gründete er Notküchen. ... Von 1935 an hielt er ständig Kontakt mit Widerstandsgruppen und mit ausländischen kirchlichen Persönlichkeiten aus der Ökumene.” (Pfarrer Wittrowsky) Vielen Menschen hat Kurtz, der in der Bewegung "Bekennende Kirche" engagiert war, zur Ausreise verholfen. Angebote zur eigenen Übersiedlung nach England lehnte die Familie Kurtz mutig ab, um die Gemeinde nicht im Stich zu lassen. Die Ehefrau Eva Kurtz war die Tochter des jüdischen Chirurgen Professor Dr. Moritz Borchardt. Kurtz arbeitete zeitweise mit Heinrich Grüber zusammen, der bis Dezember 1940 eine Hilfsstelle für Verfolgte hatte (Büro Grüber). Adolf Kurtz wurde 1942 von der Gestapo inhaftiert und sollte nach Dachau verbracht werden. Rechtsanwalt Carl Langbehn konnte das verhindern und rettete 1943 auch Eva Kurtz. Langbehn selbst wurde nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 am 12. Oktober 1944 hingerichtet.

Kurtz gründete die Familienschule am 6.1.1939 im Pfarrhaus. Die Schule fand dann bis zu ihrem endgültigen Verbot 1942 einen Sitz in den freigewordenen Räumen des „Büros Grüber” in der Oranienburger Straße 20. In das KZ Dachau sollte er eingewiesen werden, weil er Gründonnerstag und Karfreitag 1942 verfolgte „nicht-arische Christen” („Sternträger”) zum Abendmahl zugelassen hatte. Der Unternehmer Dr. Carl Bauer, zu dem Theodor Heuss den Kontakt hergestellt hatte, unterstützte die Gemeinde finanziell und vermittelte auch Rechtsanwalt Langbehn (vgl. hierzu Heinrich-Wilhelm Wörmann, Widerstand in Schöneberg und Tempelhof [Band 13 der Schriftenreihe über den Widerstand in Berlin], Berlin 2002, S. 206-212). Nach einem Besuch deutscher Kriegsgefangener auf Einladung der englischen Militärregierung im Jahr 1947, beschloss er, Pfarrer der deutschen Gemeinde in Oxford zu werden, die auf seine Initiative bereits 1939 für die vielen deutschen Flüchtlinge gegründet wurde. Eine Tochtergemeinde entstand in Coventry. Beigesetzt ist Kurtz auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof, Kolonnenstraße 24/28. Zu Prof. Dr. Borchardt s. die biographischen Angaben zu den jüdischen Ärzten am Krankenhaus Moabit.

Enthüllt wurde die etwas milchige Glasacryltafel am 14.3.2010 in einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.. Sie befindet sich am Adolf-Kurtz-Haus, einem Gemeindehaus der Zwölf-Apostel-Gemeinde An der Apostelkirche 1. 

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