zurück zur Suche

Adolf Bastian / Museum für Völkerkunde

Bremen 26.6.1826 - Santa Lucia/Trinidad 3.2.1905

Stresemannstraße 110

Das Museum
für Völkerkunde
und sein Gründer
Adolf Bastian
An dieser Stelle stand von 1884 bis 1961 das Museum
für Völkerkunde als Teil der zunächst Königlichen, später
Staatlichen Museen zu Berlin. 1873 erging der Beschluss,
für die damals im »Neuen Museum« untergebrachten eth-
nologischen Sammlungen ein eigenständiges Gebäude zu
errichten, das zwischen 1880 und 1884 von den Architekten
Ende und Boeckmann realisiert wurde. Im Dezember 1886
fand in Anwesenheit des späteren Kaisers Friedrich III. die
feierliche Einweihung
des im Renaissnce-Stil
errichteten Gebäudes
statt.
Bis zum Beginn des
Zweiten Weltkrieges be-
herbergte das Museum
die ethnologischen Aus-
stellungen, während die
Sammlungen in Berlin-
Dahlem deponiert wa-
ren. Nach Gründung der
Stiftung Preußischer Kulturbesitz 1957 wurde beschlossen,
auch die ethnologischen Ausstellungen im neuen Museums-
komplex Dahlem zu präsentieren. Da man das im Krieg
schwer beschädigte Gebäude als unzweckmäßig ansah,
wurde es 1961 vollständig abgerissen.
Mit umfangreichen Sammlungen aus aller Welt gehörte
das damals Königliche Museum für Völkerkunde (heute
Ethnologisches Museum) zu den international führenden
Institutionen seiner Art. Das verdankte es vor allem seinem
Gründer Adolf Bastian (1826 bis 1905), zugleich erster
Professor für Ethnologie an der Berliner Universität und
damit Begründer der ethnologischen Wissenschaft in
Deutschland. Sein Ziel war es, die damals unbekannten
und bedrohten Kulturen der außereuropäischen Völker
umfassend zu dokumentieren.
Im Zeitalter des expandierenden Kolonialismus sorgte
Bastian mit Hilfe von Berliner Mäzenen und einem welt-
weiten Netz von Beziehungen unermüdlich für die Vermeh-
rung der Sammlungen, schrieb zahlreiche wissenschaftliche
Abhandlungen und führte meist mehrjährige Weltreisen
durch. Auf seiner letzten großen Reise starb er am
3. Februar 1905 in Port of Spain auf der Insel Trinidad.
Sein Leichnam wurde nach Berlin überführt und ruht heute
in einem Ehrengrab Berlins auf dem Südwestkirchhof
Stahnsdorf.
In this place stood the former Museum of Ethnology which
opened in 1886 and was demolished in 1961. Its founder,
Adolf Bastian (1826-1905), compiled an extensive collection
from Non-European cultures as a documentation of their
former way of life which changed rapidly through European
colonialism.

Die über zwei Meter hohe Glastafel mit Aluminiumrahmen (Design und Gestaltung Helga Lieser) steht genau auf der stumpfen Ecke von Stresemannstraße und Niederkirchnerstraße. Sie wurde am 26.6.2009 eingeweiht. Errichtet wurde sie vom Ethnologischen Museum / Staatliche Museen zu Berlin in Kooperation mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg mit finanzieller Unterstützung von privater Seite.
Auf der linken Seite der Stele befinden sich drei Fotos mit folgenden Bildunterschriften (v.o.n.u.):
Königliches Museum für Völkerkunde

Lichthof des Museums mit Sanchi-Tor

Stele mit Darstellung des Sonnengottes
aus Santa Lucia Cozumalhuapa, Guatemala
Sammlung Adolf Bastian (1884)

Unter dem oberen Foto ist ein Zitat eingefügt:
»Eine Zeit, wie die unsrige, welche mit rauher Hand
zahlreiche Urstämme vernichtet und die Oberfläche der Erde
in allen Richtungen durchfurcht, ist es den nachkommenden
Generationen schuldig, so viel wie möglich von dem zu erhalten, was
für das Verständnis der Entwicklung des Menschengeistes
noch aus der Periode der Kindheit und der Jugend
der Menschheit übrig geblieben ist.
Was jetzt zerstört wird, ist für die Nachwelt unrettbar verloren.«
Adolf Bastian, 1876

In den Fließtext eingelassen ist ein Foto von Adolf Bastian, der in der Hauptsache Medizin studiert hatte und nach seiner Promotion ab 1850 als Schiffsarzt in die Welt reiste. Dadurch kam er in Kontakt mit vielen fremden Kulturen. Fast ein Drittel seines Lebens war er auf Reisen und studierte außereuropäische Völker, ihre Lebenswelten und Geschichte. Als Wissenschaftler war Bastian überaus produktiv. Beigesetzt wurde er auf dem Alten St. Matthäus-Friedhof in (Berlin-)Schöneberg. Seine sterblichen Überreste wurden im Zuge der Nazi-Planung für die Umgestaltung Berlins als „Welthauptstadt Germania" nach Stahnsdorf umgebettet (Block Trinitatis, Feld 21, Wahlst. 153/154).

 

zurück