Abteilung Kriegsgefangenenwesen im OKW
Map Badensche Straße 50-51
Badensche Straße 50-51
Die Abteilung Kriegsgefangenenwesen
im Haus
Badensche Straße 50-51
Dies ist der Ort, an dem über das Schicksal von Millionen Kriegsgefangenen bestimmt wurde.
In diesem Gebäude befand sich vom
Frühjahr 1940 bis zum Frühjahr 1944
die Abteilung Kriegsgefangenenwesen
des am 4. Februar 1938 von Hitler
geschaffenen Oberkommandos der
Wehrmacht (OKW).
Im dortigen allgemeinen Wehrmachts-
amt wurde zunächst eine Abteilung
für Wehrmachtsverluste und Kriegs-
gefangenenwesen geschaffen.
Zusammen mit der Dienststelle des
Generals zur besonderen Verwendung
(z.b.V.) Für das Kriegsgefangenen-
wesen koordinierte die Abteilung
die deutsche Kriegsgefangenenpolitik. Der Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 und die
millionenfach in Gefangenschaft geratenen Rotarmisten machten einen Umbau notwendig. Am
1. Januar 1942 wurde die Amtsgruppe Chef des Kriegsgefangenenwesens im OKW eingerichtet,
die über weitaus größere personelle Ressourcen verfügte. Neu geschaffen wurde die Stelle eines
Inspekteurs des Kriegsgefangenenwesens. Am 1. Juli 1943 wurde zusätzlich die unmittelbar dem
Chef des OKW unterstehende Stelle eines Generalinspekteurs für das Kriegsgefangenenwesen
eingerichtet. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 konnte Himmler seine
Befugnisse im Kriegsgefangenenwesen ausbauen. Der Chef des SS-Hauptamtes, Himmler, wurde am
1. Oktober 1944 zum Chef des Kriegsgefangenenwesens ernannt. Die Abteilung war zu diesem
Zeitpunkt bereits nach Torgau evakuiert worden.
Bereits vor dem Angriff auf Polen im September 1939 war der Abteilung Kriegsgefangene klar, dass
die Versorgung der polnischen Kriegsgefangenen, deren Zahl auf über 400 000 stieg, kaum aufrecht-
zuerhalten sei. Bis zum “Westfeldzug” hatte sich die Situation kaum verbessert, so dass die zu-
nächst etwa 1,8 Millionen französischen Gefangenen unzureichend untergebracht und versorgt
wurden. Unter den Gefangenen befand sich auch eine Vielzahl von Soldaten aus den französischen
Kolonien, die oftmals Opfer rassistischer Gewalt wurden. Mit dem Angriff auf die Sowjetunion
erreichte das Ausmaß deutscher Gewalt gegenüber Kriegsgefangenen ihren Höhepunkt. Hierbei
spielte die Abteilung Kriegsgefangene eine zentrale Rolle. In einer ihrer Anweisungen hieß es:
“Der Bolschewismus ist der Todfeind des nationalsozialistischen Deutschlands [...] rücksichtsloses
und energisches Durchgreifen bei den geringsten Anzeichen von Widersetzlichkeit, insbesondere
gegenüber bolschewistischen Hetzern. Restlose Beseitigung jedes aktiven und passiven Wider-
standes!”
Im Zentrum gezielter Tötungen standen vor allem Juden und Politkommissare. Diese wurden in
Zusammenarbeit von Wehrmacht und Einsatzkommandos der Sicherheitspolizei und des Sicher-
heitsdienstes des Reichsführers SS (SD) herausgesucht und direkt ermordet oder in Konzentrations-
lager überstellt. Von den über 5 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen starben bis Kriegsende
schätzungsweise bis zu 3 Millionen durch Hunger, Krankheiten oder Gewalt in deutschen Lagern.
Das Leid der insgesamt bis zu 8 Millionen Kriegsgefangenen, deren Schicksal maßgeblich durch die
Abteilung Kriegsgefangene in der Badenschen Straße 50-51 beeinflusst wurde, mahnen uns auch
heute.
Die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, deren Absolventinnen und Absolventen verantwort-
liche Positionen in Wirtschaft, Verwaltung, Justiz, Polizei und anderen Bereichen übernehmen, ist sich
ihrer Verantwortung bewusst. Sie möchte zur Weiterentwicklung eines kollektiven Gedächtnisses
beitragen, indem sie den Ort kennzeichnet, von dem aus Verbrechen an Millionen Kriegsgefangener
ausgingen.
Drei Stelen stehen vor einem Mauerstück zwischen den Türen zum Hof in der Zugangshalle der Hochschule für Wirtschaft und Recht. Die deutsche Inschrift befindet sich auf der mittleren Stele, die links und rechts von zwei schmaleren Stelen mit Inschriften in englischer und russischer Sprache flankiert wird. Oben auf der mittleren Stele befindet sich ein Foto mit der Bildunterschrift: Charkow, Kriegsgefangenenlager | Kharkow, POW Camp | Харков, лагерь военнопленных. 1942. In den oberen Teil der Inschrift ist links das Organigramm OKW Kriegsgefangenenwesen / Organisation Chart POW Department / Ораниграмма ОКВ по делам военнопленных, / 1.3.1942 eingeblockt. Auf der linken Stele mit englischer Inschrift befindet sich oben ein Foto des Hauses Badensche Straße 50-51 (1943) und auf der rechten Stele mit russischer Inschrift ist oben ein Foto vom Kasino Badensche Straße 50-51.
