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Gertrude Sandmann

Berlin 16.10.1893 - Berlin 6.1.1981

Eisenacher Straße 89

Gertrude Sandmann
16. Oktober 1893 - 6. Januar 1981
Gertrude Sandmann
Malerin, Grafikerin
1893 geboren in Berlin
als Jüdin von den Nazis verfolgt
1934 Berufsverbot
1942 bis Kriegsende lebte sie von Freundinnen
unterstützt versteckt in Berlin, zuletzt in der
Eisenacher Straße 103 bei Hedwig Koslowski

Auch für mich ist die Welt nicht „heil”. Aber gerade darum suche
ich in dieser Unheil-Welt das tröstliche „Noch Heile”. 1974

Seit Mitte der 1920er
Jahre gehörte sie dem
Künstlerinnenkreis um
Käthe Kollwitz und dem
Verein der Künstlerinnen
und Kunstfreunde
GEDOK an.

1974 war sie mit ihrer Lebensgefährtin Tamara Streck
Mitbegründerin der Lesbengruppe L74 in Westberlin.

Nach dem Krieg 1945 bis zu ihrem Tod im Januar 1981 lebte und
arbeitete Gertrude Sandmann in diesem Haus in der 4. Etage.

Gedenktafel enthüllt am 8. Mai 2014 | gestiftet von den Hauseigentümern | gestaltet von denktafeln.de

Die beiden ersten Zeilen und die letzte Zeile stehen senkrecht ganz links und ganz rechts auf der Tafel. Sie ist gegliedert durch vier Abbildungen und ein Foto.

Die jeweiligen Beschriftungen lauten:
links „ohne Titel" 1940
unten Gertrude Sandmann und Hedwig Koslowski um 1952
UKZ Titelbild „Liebende" von Gertrude Sandmann
links „Mädchen mit Florentiner Hut" 1933, oben „Sonne im Korridor" 1948

Die durch ein LED-Flächenlicht von innen beleuchtete Kunststofftafel ist in einem Edelstahlrahmen links neben dem Eingang auf dem Putz befestigt. Gestaltet wurde die Tafel von Anita Meier und Roswitha Baumeister (denktafeln e.V.). Enthüllt wurde sie am 8.5.2014 in Anwesenheit von Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, die zu diesem Anlass auch sprach. Bereits am 16.10.2013 war auf dem Alten St. Matthäus-Friedhof, Schöneberg, Großgörschenstraße 12-14, ein kleiner Stein für Gertrude Sandmann und Tamara Streck enthüllt worden (Abt. S U am Wegrand ggü. Abt. K). Auch zu diesem Anlass sprach Bezirksbürgermeisterin Schöttler.

Gertrude Sandmann wuchs in einer assimilierten und wohlhabenden jüdischen Familie im Bezirk Tiergarten auf. Nach dem Schulabschluss begann sie eine Ausbildung an der Kunstschule des „Vereins der Berliner Künstlerinnen“; ein reguläres Studium an der Berliner Akademie für Künste wurde Frauen zu diesem Zeitpunkt noch verwehrt. Gertrude Sandmann kritisierte die berufliche und soziale Benachteiligung von Künstlerinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen sowie „die patriarchalische Rollenverteilung“, die Frauen in ihrer Arbeit und ihrer Entwicklung hemmte: „Darum“, so Sandmann, „erscheint es mir als ein Glück, wenn man als Künstlerin Lesbierin ist und sich auch wie ich ohne Schuldgefühle dazu bekennen kann.“

Nach 1933 erhielt Sandmann ein Berufsverbot. Im November 1942 tauchte sie mithilfe ihrer Lebensgefährtin Hedwig Koslowski unter. Sie überlebte den Krieg in mehreren Verstecken mitten in Berlin. Nach dem Krieg bezog sie eine Wohnung in der Eisenacher Straße in Schöneberg, wo sie bis zu ihrem Tod blieb und wieder künstlerisch tätig wurde. 1974 gehörte sie zu den Mitbegründerinnen der Gruppe L74, der ersten Nachkriegsorganisation älterer lesbischer Frauen in Berlin. Über die Schaffung von Treffpunkten für lesbische Frauen sagte sie: „Die Clubs […] waren die erste Möglichkeit, mit gleichveranlagten Frauen zusammenzukommen und sich aus der Isolierung zu befreien - ein sehr wichtiger Anfang! Es war ein großes befreiendes Erlebnis zu sehen, dass wirklich so viele andere Frauen ebenso sind wie man selbst. Man kam in den Club wie ‚nach Hause‘, da gehörte man hin.“

Gertrude Sandmann starb im Januar 1981 nach langer Krankheit.

(Vgl.: https://www.lesbengeschichte.org/bio_sandmann_d.html, zuletzt abgerufen am 5.7.2022.)

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