Galerie Goldschmidt-Wallerstein
Map Schöneberger Ufer 67a
und Dr. Victor Wallerstein (1878–1944), Kunsthistoriker jüdischer
Herkunft, die nach ihnen benannte Kunsthandlung in Berlin. Ab
1920 lebten und arbeiteten sie in diesem Haus. Der Architekt und
Regierungsbaumeister Rudolph Johann Goldschmidt (1850–1915),
Vater von Fritz Goldschmidt, hatte es 1899/1900 errichtet.
Neben Alten Meistern zeigte die Galerie moderne Werke, u.a. von
Erich Heckel, Otto Mueller, Lyonel Feininger und Oskar Kokoschka
sowie Arbeiten der Bildhauerin Emy Roeder. Die Kunsthändler
wurden wichtige Förderer der modernen Kunst. 1928 zog die Kunst-
handlung in vier repräsentative Räume mit Schaufenstern in der
damaligen Viktoriastraße 21 nahe der Potsdamer Brücke.
Die nationalsozialistische Herrschaft ab 1933 setzte dem Unter-
nehmen im Sommer 1934 ein frühes Ende. Helene Goldschmidt
(1886–1974) musste das Haus nach dem Tod ihres Mannes 1935
verkaufen. Victor Wallerstein verstarb 1944 im italienischen Exil.
Die Gedenktafel wurde am 25. Juni 2023 enthüllt und ist links neben dem Eingang unter der Hausnummer angebracht. Grußworte sprachen zwei Nachfahrinnen Fritz Goldschmidts, Susanne Goldschmidt und Katherine Whitaker. Andreas Nachama, Rabbiner der Berliner Synagogengemeinde Sukkat Schalom beendete die Zeremonie mit einem Kaddisch. Angereist waren zudem weitere Angehörige der Familie Goldschmidt sowie Vera Wallerstein, Enkelin von Victor Wallerstein.
Die Gedenktafel wurde von den Angehörigen zusammen mit dem Brücke-Museum initiiert und von dem Verein Aktives Museum umgesetzt. Die Gestaltung übernahm Petra Müller (museumsfreunde). Im Jahr 2011 zeigte das Aktive Museum die Ausstellung „Gute Geschäfte. Kunsthandel in Berlin 1933–1945“ in der Stiftung Neue Synagoge – Centrum Judaicum, welche die Auswirkungen der nationalsozialistischen Kunst- und Kunsthandelspolitik auf eine bis dahin weitgehend unabhängige Branche recherchierte und die häufig unbekannte Geschichte vieler Galerien, unter anderen die der Galerie Goldschmidt-Wallerstein, darstellte.
Nach dem Verkauf des Hauses wurden die Wohnungen im Rahmen der antisemitischen Wohnungspolitik zwischen 1939-45 vermutlich als Zwangsräume benutzt. Als Konsequenz aus dem nationalsozialistischen „Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden“ vom 30. April 1939 musste fast die Hälfte der jüdischen Bevölkerung Berlins ihre Wohnungen verlassen und umziehen. Die Betroffenen wurden, vermittelt durch die „Wohnungsberatungsstelle der Jüdischen Gemeinde Berlin“, zur Untermiete in Wohnungen eingewiesen, in denen bereits andere jüdische Mieterinnen und Mieter lebten. Zumeist waren diese Zwangswohnungen der letzte Wohnort vor deren Deportation und Ermordung durch die Nationalsozialisten.
An der Adresse Schöneberger Ufer 67a, damals 36a, waren nachweislich untergebracht: Johanna Clara Mansbacher (1870–1944), ihre Schwester Therese Tolga Oppenheimer (1881–1944), deren Mann Max Oppenheimer (1860–1941) sowie Siegbert Sternberg (1874–1943). Für Therese und Max Oppenheimer wurden 2014 Stolpersteine in der heutigen Breiten Straße 29b in Pankow verlegt. Die Verlegung von Stolpersteinen für Johanna Clara Mansbacher und Siegbert Sternberg ist für 2025 vorgesehen.



