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Ermordeter Deserteur

Dominicusstraße

HIER WURDE AM 25. APRIL 1945
- NUR WENIGE TAGE VOR DEM
ENDE DES DRITTEN REICHS - EIN
SOLDAT AN EINEM LATERNEN-
PFAHL ERHÄNGT.
ZUM GEDENKEN AN IHN UND
AN DIE WEITEREN VIELEN UN-
BEKANNTEN OPFER, DIE UNTER
DER NATIONALSOZIALISTISCHEN
GEWALTHERRSCHAFT NOCH IN
DEN LETZTEN KRIEGSTAGEN IHR
LEBEN LASSEN MUSSTEN 8. MAI 1985

Da über die Ermordung des Soldaten "Der Panzerbär", das "Kampfblatt für die Verteidiger Gross-Berlins", am 25.4.1945 berichtete, ist der Name dieses Nazi-Opfers bekannt. Dort hieß es: "...an der Kreuzung der Hauptstraße und des Tempelhofer Weges [heute Südteil der Dominicusstraße, d. Verf.] fand die Berliner Bevölkerung einen am Laternenpfahl mit einer Wäscheleine aufgehängten Soldaten. Den Waffenrock trug er nicht mehr. Am Hosenträger befestigte die Bevölkerung als seine Richter ein weißes Pappschild mit der Aufschrift: 'Ich, der Obergefreite Höhne aus Berlin, war zu feige, meine Frau und meine Kinder zu verteidigen.' Dieses ungewohnte Bild in den Straßen der Reichshauptstadt hat seine tiefe Berechtigung. ..." "Der Panzerbär" erschien nach dem Einstellen aller anderen Tageszeitungen in Berlin erstmalig am 23. April 1945. Auf seiner ersten Titelseite stand der Befehl zur Ermordung aller Deserteure oder Kapitulationswilligen: "Eine ernste Mahnung des Führers! Merkt Euch! Jeder, der Maßnahmen, die unsere Widerstandskraft schwächen, propagiert oder gar billigt, ist ein Verräter! Er ist augenblicklich zu erschießen oder zu erhängen! Das gilt auch dann, wenn angeblich solche Maßnahmen im Auftrage des Gauleiters Reichsminister Dr. Goebbels oder gar im Namen des Führers befohlen werden sollten. Führerhauptquartier, den 22.4.1945 gez. Adolf Hitler" Der "dänische Beobachter Jacob Kronika" notierte am 24.4.1945: "An der Ecke Hauptstraße-Reppichstraße [heute Nordteil der Dominicusstraße, d. Verf.], dort, wo der Verkehr am stärksten brandet, hat man einen Mann an den Mast einer Omnibus-Haltestelle aufgeknüpft. Ein Grauen schüttelt uns. Das wagen die Nazis der Bevölkerung Berlins zu bieten! Dabei sind es vielleicht nur noch wenige Stunden bis zum definitiven Untergang!" (zit. nach Oliver Lubrich, Reisen ins Reich 1933 bis 1945, Frankfurt/M 2004, S. 390) Bald nach Kriegsende wurde an mehreren Orten gleichermaßen ermordeter Soldaten durch provisorische Tafeln gedacht (s. a. Mitte und Steglitz).
Die Enthüllung des Gedenksteins erfolgte am 40. Jahrestag der Kapitulation, dem 8.5.1985, in Anwesenheit von Bezirksbürgermeister Rüdiger Jakesch und seines Stellvertreters Alfred Gleitze "auf Veranlassung der Bezirksverordnetenversammlung nach mehrjährigen kontroversen Debatten" (Der Tagesspiegel, 9.5.1985). Er befindet sich an der Kreuzung Dominicusstraße und Hauptstraße (auf dem Mittelstreifen in Richtung Süden). Die Inschrift ist leider nur schwer zu lesen.

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