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Alide Ratsch

Pola/Österreich 26.1.1883 - Berlin 17.7.1975

Dammbrücke

ALIDE RATSCH
1883-1975
IN ERINNERUNG AN DIE MUTIGE
PFARRERSFRAU ALIDE RATSCH (1883-1975),
DIE IN DER ZEIT DES NATIONALSOZIALISMUS
VERFOLGTEN ZUFLUCHT GEWÄHRTE.
IN DEN LETZTEN KRIEGSTAGEN SETZTE SIE
SICH COURAGIERT FÜR DIE RETTUNG DER
KÖPENICKER ALTSTADT UND DEREN
BEWOHNER EIN.

Die Metalltafel ist am Brückenanfang (Richtung Lindenstraße rechts) in das Brückengeländer eingefügt. Die Enthüllung erfolgte durch Bezirksbürgermeister Oliver Igel und Bezirksstadtrat Svend Simdorn am 30.11.2011 um 16.30 Uhr. Finanziert wurde die Tafel durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Bei der Einweihung sagte Bürgermeister Igel u.a.: "Gemeinsam mit ihrem Mann Georg, dem damaligen Pfarrer der Evangelisch Reformierten Schloßkirchengemeinde Köpenick, gewährte Alide Ratsch während der Köpenicker Blutwoche im Juni 1933 und während der antijüdischen Pogrome 1938 den Bedrängten und Misshandelten Rat, Hilfe und Unterschlupf. Das Pfarrhaus in der Freiheit 14 war Zufluchtsort und letzte Rettung für Verfolgte im nationalsozialistischen Terror. Sie widersetzten sich auch der Forderung, nur Menschen mit „Arier-Nachweis" zu beschäftigen und ignorierten ebenso zusammen mit ihrer Gemeinde ideologisch motivierte Änderungen an den kirchlichen Liedtexten.
Wir verdanken Alide Ratsch aber noch mehr. Getragen von ihrer zutiefst christlichen Einstellung wagte sie auch dann noch Widerstand, als es 1945 mit den braunen Gräueltaten zu Ende ging. Denn in dem irrwitzigen Wahn, den Vormarsch der Roten Armee in das Zentrum der Reichshauptstadt noch aufhalten zu können, wurde dem letzten Aufgebot der zerschlagenen Wehrmacht, dem so genannten Volkssturm, auferlegt, neben anderen Brücken auch die Dammbrücke zu zerstören. Alide Ratsch setzte sich mutig bei den mit der Ausführung dieses Befehls beauftragten Wehrmachtsoffizieren auseinander. Tatsächlich ist es ihr damit gelungen, die Zerstörung der Dammbrücke zu verhindern. Und da Karl Henkner, auch das sei nicht vergessen, den Befehl zur Sprengung der Langen Brücke nicht ausführte, fand der sonst zu befürchten gewesene Beschuss der Altstadt Köpenick nicht statt.
Zwar waren in Köpenick zum Kriegsende von 12.500 Häusern 3.500 zerstört und viele beschädigt. 103.000 Köpenicker und 30.000 Ausgebombte und Flüchtlinge waren zu versorgen. Dass nicht noch mehr Opfer und Zerstörungen zu verzeichnen waren, ist auch ein Verdienst der tapferen Frau Ratsch. Sie selber hatte noch in der Schlussphase jenes Krieges ihre beiden Söhne verloren. Alide Ratsch verstarb am 17. Juli 1975. Wir werden ihr ein ehrendes Gedenken bewahren.
Die Einweihung der Gedenktafel für Alide Ratsch soll ein Beispiel für Zivilcourage in Erinnerung rufen, das heute – mehr denn je – in Zeiten rechtsextremer Gewalttaten Vorbild sein kann."
(http://www.berlin.de/ba-treptow-koepenick/aktuelles/oi_vor_ort.html ; zuletzt aufgerufen am 21.3.2012)

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