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Ernst Mundt

Ernst Mundt

Bad Polzin [Połczyn-Zdrój] 2.2. oder 2.12.1921 - Berlin 4.9.1962

Bernauer Straße (Höhe Bergstraße)

Gedenkzeichen für Ernst Mundt
am Sophienfriedhof
Memorial sign for Ernst Mundt
at the Sophien Cemetery
Ernst Mundt
Am 4. September 1962 versuchte der vier-
zigjährige Ernst Mundt in den Westen zu
fliehen. Die Mauer lehnte er ab, auch weil
seine Mutter in West-Berlin wohnte. Mit ihr
konnte er nur noch Briefe austauschen.
So entschloss er sich zur Flucht.
Von seiner Wohnung im Prenzlauer
Berg fuhr er mit dem Fahrrad bis zu den
ersten Grenzsperren an der Bergstraße. Er
erklomm die Mauer des Sophienfriedhofs
und lief auf der Mauerkrone in Richtung
Westen. Zwei Grenzsoldaten, die auf dem
Friedhofsgelände patrouillierten, entdeck-
ten ihn. Sie forderten ihn auf, seine Flucht
aufzugeben. Während sie diskutierten, lief
Mundt weiter. Zwei Transportpolizisten
wurden vom Nordbahnhof aus auf ihn auf-
merksam. Einer von ihnen schoss auf
Mundt, der tödlich in den Kopf getroffen
von der Mauer fiel.
West-Berliner Bürger errichteten zur
Erinnerung an seinen Tod ein anonymes
Gedenkzeichen, das später durch eine
Bodenplatte und ein Weißes Kreuz ergänzt
wurde.
Ernst Mundt, forty years old, tried to flee
to the West on September 4, 1962. One
reason he objected to the Wall was that his
mother lived in West-Berlin and he was
only able to communicate with her through
letters. Hence he decided to flee.
He rode his bike from his apartment in
Prenzlauer Berg to the first border obstacle
at Bergstrasse. He climbed on top of the
cemetery wall of the Sophienfriedhof and
ran westward on it. Two border soldiers
who were patrolling the cemetery grounds
discovered him. They called out to him to
give up his flight. While they conferred with
each other Mundt continued to run. Then
two transport policemen from
Nordbahnhof noticed him. On of them
shot at Mundt, hitting him fatally in the
head and causing him to fall off the wall.
Citizens of West-Berlin erected an
anonymous memorial sign to commemo-
rate his death. A ground plate and white
cross were added later.

Schon bald nach dem Tod Mundts wurde ein Gedenkort aus drei stacheldrahtumwickelten Holzpfosten mit einer schrägen Holzleiste aufgestellt (wie bei Ida Siekmann). Darauf stand als Geburtstag der 2.2.1921. Dieses Datum und der 2.12.1921 werden abwechselnd genannt. Wenn das erstgenannte Datum zuträfe, wäre Mundt bei seinem Tod 41 Jahre alt gewesen.

Nach dem Abriss der Mauer befand sich hier als Teil der Mauergedenkstätte ein silberner Doppel-T-Träger mit einer hellgrünen Tafel und der Inschrift:
Ernst Mundt
Am 4. September 1962 versuchte
Ernst Mundt über die Mauer des Sophien-
Friedhofs aus Ost-Berlin in den Westteil der
Stadt zu fliehen. Auf der Friedhofsmauer
längs der Bergstraße in Richtung Bernauer
Straße laufend, wird er aus einem Haus auf
dem Gelände des Nordbahnhofs beschos-
sen und von einem Kopfschuß getroffen.
Mundt fällt von der Friedhofsmauer auf die
Ostseite in den Bereich des Grenzstreifens.
Die von West-Berliner Seite aus gestarteten
Hilfsaktionen können den Schwerverletz-
ten nicht erreichen. Ernst Mundt verblutet.
Die im Bürgersteig eingelassene Platte mit
der zeitgenössischen Inschrift »Dem unbe-
kannten Opfer der Schandmauer« erinnert
an den Tod von Ernst Mundt. Bis zum Abriß
der Mauer hat an dieser Stelle außerdem
ein Mahnmal gestanden.


Auch auf diesem Träger gab es bereits eine englische Übersetzung der Inschrift. Die Installation ist ersetzt durch eine eiserne Stele mit neuer und z.T. detailreicherer Inschrift sowie einem Foto der Gedenkinstallation zu Mauerzeiten (Fotograf Henry Ries, nach 1965), noch mit der Friefhofsmauer, die die Grenze markierte, während der Bürgersteig zu West-Berlin gehörte.

Vor der Stele befindet sich noch zwischen den Berliner Gehwegplatten die alte Platte mit der Inschrift:
DEM UNBEKANNTEN
OPFER
DER SCHANDMAUER
+ 4.9.1962

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