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Tennis Borussia ist in den 1920er Jahren

ein hochmoderner Fußballverein.

 

Tennis Borussia wird 1902 als Freizeitverein gegrün-

det und baut wenig später eine Fußball-Abteilung auf.

In den 1920er Jahren entwickelt sich TeBe zu einer

der führenden Mannschaften Berlins, die mit Hertha

BSC um die Vormachtstellung konkurriert. Der hoch-

moderne Verein stellt als erster Klub in Deutschland

einen Geschäftsführer ein, die Trainer Richard Girulatis

und Otto Nerz setzen Erkenntnisse der Sportwissen-

schaft um. Ab 1926 avanciert Sepp Herberger zum

wichtigsten Spieler des Vereins, nach seiner aktiven

Laufbahn übernimmt er das Traineramt. Tennis

Borussia ist in der Zeit der Weimarer Republik ein

Verein, dessen Mitgliederschaft sozial und kulturell

ungewöhnlich breit aufgestellt ist. Jüdische Mitglieder

spielen eine große Rolle. Ihr Ausschluss unmittelbar

nach der Errichtung der NS-Diktatur 1933 hinterlässt

bei TeBe eine nicht zu schließende Lücke.

 

Simon Leiserowitsch ist einer der herausra-

genden Fußballer von Tennis Borussia in den

1920er Jahren und spielt wiederholt in der Stadt-

auswahl. Der jüdische Sportler emigriert 1933

nach Palästina. Dort versucht er sich unter anderem

als Fußball-Trainer, kann aber im Sport wie im

Leben nicht mehr Fuß fassen. Leiserowitsch stirbt

1962 nahezu vergessen.

 

Bei Tennis Borussia ist man in den 1920er Jahren weltoffen

eingestellt. Als TeBe am 19. Oktober 1924 in Paris gegen den

Club Français mit 3:1 gewinnt, ist dies sechs Jahre nach dem

Ende des Ersten Weltkriegs die erste offizielle Begegnung

zwischen einem im Deutschen Fußball-Bund organisierten

und einem französischen Verein. Weitere Partien folgen,

eine Normalisierung der internationalen Sportbeziehungen

Deutschlands setzt ein.

 

Das Mommsenstadion wird 1930 eröffnet und erhält vier Jahre

später seinen Namen. Während der Olympischen Spiele 1936

ist es ein Austragungsort des Fußballturniers. Nachdem Tennis

Borussia seit seiner Gründung lange Zeit ohne feste Spielstätte

war, zieht der Verein 1945 in das Stadion und teilt es sich seit-

dem mit dem SC Charlottenburg. In Vorbereitung der FIFA WM

2006 wird der Komplex saniert und während des Turniers als

Trainingsstätte unter anderem von der DFB-Auswahl genutzt.

 

 

In der »Hans-Rosenthal-Elf«

spielen Prominente für wohltätige Zwecke.

 

Der Unterhaltungskünstler Hans Rosenthal bildet

1950 mit Kollegen aus dem Showgeschäft eine

Prominentenmannschaft, die Freizeitfußball spielt.

Mitbegründer sind unter anderem Wolfgang Gruner,

Heinrich Riethmüller und Wolfgang Neuss. Das Team

schließt sich wenig später Tennis Borussia an. Die

fußballbegeisterten Künstler, Wissenschaftler und

Vertreter der Wirtschaft nehmen zu wohltätigen

Zwecken an Freundschaftsspielen teil. Herausragende

Sportler und Weltstars des Fußballs wie Pele, Uwe

Seeler und Fritz Walter verstärken das Prominenten-

team. Nach dem Tode des Fernsehmoderators und

zeitweiligen TeBe-Präsidenten wird die Mannschaft

1987 in »Hans-Rosenthal-Elf« umbenannt, die Ein-

nahmen aus Benefizspielen unterstützen die von

ihm initiierte Stiftung.

 

»Hanne« Berndt ist nach dem Zweiten Weltkrieg der heraus-

ragende Spieler von Tennis Borussia. In seiner Karriere von

1936 bis 1952 wird er 62 Mal in die Stadtmannschaft und drei

Mal in die DFB-Auswahl berufen. Nach seiner sportlichen Lauf-

bahn betreibt er in der Damaschkestraße in der Nähe des

Kurfürstendamms erfolgreich ein Sportgeschäft, in dem 1974

neben Sportartikeln auch die begehrten Eintrittskarten für die

Weltmeisterschaft zu erwerben sind.

 

Als einer der ersten Fußballvereine Deutschlands gründet

Tennis Borussia 1969 eine Abteilung für Mädchen- und

Frauenfußball, der innerhalb des DFB erst ab 1970 offiziell

zugelassen wird. TeBe ist viele Jahre auf den Berliner Meister-

titel abonniert. Trainiert wird die 1. Mannschaft unter anderem

vom ehemaligen Fußball-Profi, Musikproduzenten und

zeitweiligen Vereinspräsidenten Jack White.

 

Tennis Borussia entwickelt sich in den 1950er Jahren zum

erfolgreichsten Berliner Verein und gewinnt vier Mal die

Stadtmeisterschaft West-Berlins. Bei Einführung der Bundesliga

1963 ist jedoch der alte Rivale Hertha BSC stärker und TeBe

startet zweitklassig in der Regionalliga. In den 1970er Jahren

gelingt dem Team zweimal für jeweils eine Saison der Aufstieg

ins Oberhaus des deutschen Fußballs. Zu den großen Erfolgen

gehört 1977 der Heimsieg über Bayern München.

 

Ab 1993 nimmt Tennis Borussia eine erstaunliche Entwicklung.

Nach zwei gescheiterten Anläufen gelingt 1998 der Aufstieg in

die 2. Bundesliga. Die Vermögens- und Finanzholding »Göttinger

Gruppe« als Hauptsponsor will den Verein in eine Aktiengesell-

schaft umwandeln, aufgrund finanzieller Ungereimtheiten erhält

TeBe jedoch 2000 keine Lizenz für den Profifußball. Der Absturz

des Vereins in die Unterklassigkeit und der Imageverlust sind

nicht mehr zu stoppen.

 

 

Nach der Errichtung der NS-Diktatur

werden die jüdischen Sportler ausgeschlossen.

 

Jüdische Sportler und Funktionäre spielen bei der

Entwicklung des Fußballs in Deutschland eine

bedeutende Rolle. Unmittelbar nach der Errichtung

der NS-Diktatur werden sie aus den Vereinen und

Verbänden ausgeschlossen und ihnen ist fortan

untersagt, am allgemeinen Spielbetrieb teilzunehmen.

Die ausgegrenzten Sportler sammeln sich in den zur

jüdischen Sportbewegung gehörenden Vereinen und

organisieren bis hin zur internationalen Ebene

Begegnungen untereinander. Nach den Pogromen

im November 1938 werden die jüdischen Vereine

aufgelöst, der jüdischen Bevölkerung wird die Teil-

nahme oder der Besuch an kulturellen und sport-

lichen Veranstaltungen gänzlich verboten. Auch

diese Maßnahmen des NS-Regimes gehören zu den

Verbrechen, die letztlich zum Holocaust führen.

 

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg werden von den

drei West-Alliierten Sammelunterkünfte für die ca. 150.000

jüdischen Überlebenden des Holocaust eingerichtet, die vor

allem aus Osteuropa kommen. In Berlin wird das Lager Düppel

im amerikanischen Sektor für über 5.000 von ihnen zum Ort

der Hoffnung und des Neubeginns. Viele »displaced persons«

verbringen die Freizeit mit dem Fußball-Spiel.

 

Die ersten lokalen jüdischen Sportvereine in

Deutschland entstehen bald nach Kriegsende.

Sie schließen sich 1965 zu Makkabi Deutschland

als Dachverband zusammen und werden im

Deutschen Sportbund aufgenommen. Im November

1970 gründet eine Gruppe jüdischer Sportler den

TuS Makkabi Berlin, in dem neben Fußball eine

Reihe anderer Sportarten betrieben werden.

 

Nationalspieler Julius Hirsch war neben Gottfried

Fuchs der herausragende jüdische Sportler in

der frühen Zeit des deutschen Fußballs. Mit

der Enthüllung einer Gedenktafel an den 1943

ermordeten Fußballer wird 2007 die Sportanlage

Eichkamp, die Heimspielstätte der Fußballabteilung

des TuS Makkabi Berlin, in Julius-Hirsch-Sport-

anlage umbenannt.

 

Interreligiöser Respekt und gegenseitige Achtung

sind Anliegen von TuS Makkabi Berlin, wie es

die Mannschaft 2008 in einem Aufruf fordert.

Die Sportler demonstrieren, dass sie ihre gesell-

schaftliche Verantwortung nicht am Spielfeldrand

enden sehen.

 

 

By the 1920s Tennis Borussia had

developed into a state-of-the-art

football club.

 

Tennis Borussia was founded in 1902 as a recreational club and soon after

that added a football section. In the 1920s, TeBe developed into one of

Berlin’s leading teams and competed against Hertha BSC for preeminence. The

state-of-the-art club was the first one in Germany to hire a business manager,

and its trainers, Richard Girulatis and Otto Nerz, put findings of sports science

into practice. Starting in 1926, Sepp Herberger became the club’s most

important player, and after the end of his career as player, he took over the

role of trainer. In the years of the Weimar Republic, Tennis Borussia had a

socially and culturally unusually diverse membership. Jewish members played

an important role, and their exclusion immediately after the establishment

of the Nazi dictatorship in 1933 left a lasting void in TeBe.

 

In the »Hans Rosenthal Team«

celebrities played for charity.

 

In 1950, the entertainer Hans Rosenthal joined with colleagues from show

business and established a celebrity league for playing recreational football.

Among the team’s other founders were Wolfgang Gruner, Heinrich Riethmüller,

and Wolfgang Neuss. Not long thereafter, the amateur team attached itself to

Tennis Borussia. The team consisted of artists, scientists, and business people

– all of them enthusiastic football fans – who played in friendly matches for

charitable causes. Outstanding athletes and world stars of football, such as

Pele, Uwe Seeler, and Fritz Walter reinforced the celebrity players. After the

death of Rosenthal, a TV host who at various times had also served as TeBe’s

president, the team was renamed »Hans-Rosenthal-Elf« (Hans Rosenthal

Team) in 1987; the revenues from the charity matches support the foundation

he created.

 

After establishment of the

Nazi dictatorship, Jewish athletes

were expelled.

 

Jewish athletes and officials played an important role in the development of

football in Germany. However, immediately upon the establishment of the Nazi

dictatorship, they were expelled from football clubs and associations and were

prohibited from participating in the general operation and organization of

matches. The excluded players joined clubs belonging to the Jewish sports

movement and organized matches among themselves, even international ones.

After the pogroms in November 1938, the Jewish clubs were closed down,

and Jews were banned from participating in or attending any cultural or sports

events. These measures of the Nazi regime were part of the crimes that

ultimately culminated in the Holocaust.