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Das Spielen im Freien vermittelt Freude an der Bewegung.

 

Die neuzeitliche Körperkultur in Deutschland hat ihren Ursprung in der Leibeserziehung, wie sie Ende des 18. Jahrhunderts beispielsweise von Johann Christoph Friedrich GutsMuths entwickelt wurde. Friedrich Ludwig Jahn griff die Idee der harmonischen Bildung von Körper und Geist auf und schuf mit seiner »deutschen Turnkunst« eine Volksbewegung. 1811 eröffnete Jahn in der Berliner Hasenheide den ersten öffentlichen Turnplatz für seine Leibesübungen im Freien. Zwischenzeitlich verfolgt und verboten, erlebt das Turnen im Laufe des 19. Jahrhunderts einen bedeutenden Aufschwung; ab 1861 ist Turnunterricht an Schulen verbindlich vorgeschrieben. Mit der zunehmenden Verbreitung des englischen Sports im Zuge der Industrialisierung sehen sich die Turner gegen Ende des 19. Jahrhunderts in ihrer Vormachtstellung bedroht. Streitpunkte sind vor allem die Ausrichtung auf individuelle Höchstleistung und der Wettkampfcharakter. Obwohl insbesondere der Fußball als Konkurrenz angesehen wird, bieten einige Turnvereine das Spiel jedoch selbst an. Gemeinsam ist beiden die ursprüngliche Idee, über das Spielen im Freien Freude an der Bewegung zu vermitteln und die Persönlichkeit ganzheitlich zu entwickeln.

 

(Bildunterschriften:)

 

Die schärfsten Kritiker des Fußballs wie der Stuttgarter Turnlehrer Karl Planck versuchen, den Fußball als »englische Krankheit« zu verunglimpfen. In seiner 1896 erschienenen Streitschrift »Fußlümmelei« kommen zahlreiche Vorbehalte gegen das kampfbetonte Spiel zum Ausdruck, das von den Turnern als grob, undeutsch und auch gefährlich für die moralische Haltung der Jugend empfunden wird.

 

Das Turnen erfährt im Laufe der Zeit einen deutlichen Wandel. Während bei Jahn noch die freie Bewegung an der frischen Luft im Vordergrund stand, bekommen unter dem Pädagogen Adolf Spieß Ordnung und Disziplin eine immer stärkere Bedeutung. Erst durch den von ihm eingeführten Kanon von Kommandos durch einen »Vorturner« werden die streng reglementierten Übungen zur schultauglichen Körperertüchtigung.

 

Die rasant gewachsene Metropole mit seinen engen Hinterhöfen bietet den Berliner Kindern zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur wenig Platz für Spiele an der frischen Luft. Da auch das Schulturnen den Bewegungsdrang der Jungen nicht befriedigt, erhält gerade der Sport nach englischem Vorbild Zulauf. Insbesondere Fußball wird schnell beliebt, weil er wenige Voraussetzungen benötigt und an nahezu jedem Ort gespielt werden kann.

 

Das Fußball-Spiel bleibt in den Berliner Arbeiterbezirken durch alle Zeiten populär. Wo keine Sportanlagen vorhanden sind, wird die nächstbeste Durchfahrt zum Tor erklärt. Bolzplätze und ab den 1980er Jahren Fußball-Käfige schaffen in der eng bebauten Stadt gezielt Freiräume für Spiel, Spaß und Bewegung.

 

(auf der anderen Seite unter dem Orientierungsplan:)

 

Playing outdoors instils

enjoyment in movement.

 

Germany’s modern body culture originated in the kind

of physical education that was developed in the late

18th century, for example, by Johann Christoph

Friedrich GutsMuths. Friedrich Ludwig Jahn took up

the idea of harmonious development of body and

mind and created a grassroots movement with his

»German gymnastics« (»deutsche Turnkunst«).

In 1811, Jahn opened the first public outdoor

gymnasium in the Berlin Hasenheide for physical exer-

cises outdoors. At times these exercises were

prohibited and prosecuted, but gymnastics expe

rienced a significant upswing in the course of the

19th century. Starting in 1861, gymnastics lessons

became mandatory in schools. With the increasing

spread of English sports in connection with the

growing industrialization, the gymnasts found their

dominant position threatened in the late 19th century.

The main points of contention were the focus on

individual peak performance and the competitions.

Even though particularly football was considered to

compete against gymnastics, several gymnastics

clubs nevertheless offered to teach the game. Both

sports share the original idea of instilling enjoyment

in movement through outdoor play and exercise and

thus to develop the personality in a holistic way.