(Vorderseite)

Wache

auf!

Wir müssen uns von der

Hitlerei befreien!

 

(Rückseite, linke Spalte)

Elise und Otto Hampel

Elise Hampel, geborene Lemme, kam am 27. Oktober 1903 nahe

Stendal zur Welt. Sie entstammte einer Arbeiterfamilie und arbeitete

als Haushaltshilfe und Näherin.

Otto Hampel wurde am 21. Juni 1897 in Mühlbeck bei Posen geboren.

Er arbeitete nach seinem Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg bei den

Berliner Verkehrsbetrieben und ab 1923 im Kabelwerk von

Siemens-Schuckert.

Nach der Machtübernahe der Nationalsozialisten 1933 zeigten sich

Elise Lemme und Otto Hampel zunächst als Anhänger des neuen

Regimes, traten jedoch nie in die Nationalsozialistische Deutsche

Arbeiterpartei (NSDAP) ein. 1937 heirateten Elise und Otto Hampel.

Die Postkarten von Elise und Otto Hampel

Elise und Otto Hampel verteilten von 1940 bis 1942 handbeschriftete

Postkarten, in denen sie zum Widerstand gegen das national-

sozialistische Regime aufriefen. Im Oktober 1942 wurden sie verhaftet,

am 22. Januar 1943 zum Tode verurteilt und am 8. April 1943 in Berlin-

Plötzensee hingerichtet.

Ihr Handeln gilt heute als ein herausragendes Beispiel für den

unorganisierten Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur.

Widerstand

Nachdem Elises Bruder 1940 im Krieg gefallen war, änderte das

Ehepaar seine Haltung zum Nationalsozialismus.

Die Eheleute beschlossen, Widerstand zu leisten. Sie steckten heim-

lich und in unregelmäßigen Abständen von ihnen beschriftete Postkarten

in Briefkästen im Umfeld ihrer Wohnung, in der Amsterdamer Straße 10

(Wedding), aber auch in Charlottenburg, Schöneberg und Kreuzberg.

Die anonymen Texte waren häufig mit der Überschrift „Freie Presse!“

versehen und riefen dazu auf, die nationalsozialistische Diktatur nicht

länger zu unterstützen, die Beteiligung am Krieg zu verweigern und

Hitler zu stürzen.

Zunächst lange unentdeckt geblieben, wurde Elise und Otto Hampel

1942 bei Auslegen der Karten in der Eisenacher Straße in Berlin-

Schöneberg beobachtet, denunziert und von der Geheimen Staatspolizei

verhaftet.

„Jeder stirbt für sich allein“

Auf Anregung von Johannes R. Becher, damals Präsident des

„Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“,

machte der Schriftsteller Hans Fallada (1893-1947)) die Geschichte

von Elise und Otto Hampel zur Grundlage seines Romans

„Jeder stirbt für sich allein“. Es wurde in viele Sprachen übersetzt

und mehrfach verfilmt.

 

(Rechte Spalte)

Elise and Otto Hampel

Elise Hampel (nee Lemme) was born October 27, 1903 near Stendal.

Born to a working-class family, she found work as a domestic aid

and seamstress.

Otto Hampel was born June 21, 1897 in Mühlbeck near Posen.

After serving in WWI, he worked for the Berlin Transport Authority

and after 1923 in the cable manufacturing plant for Siemens-Schuckert.

After the rise of National Socialism in 1933, Elise Lemme and

Otto Hampel initially appeared to support the new regime, however they

never officially joined the National Socialist German Workers Party

(NSDAP). Elise and Otto married in 1937.

The Postcards from Elise and Otto Hampel

From 1940 to 1942 Elise and Otto Hampel distributed handwritten

postcards calling for resistance against the national socialist regime.

In October 1942 they were arrested and subsequently sentenced on

January 22, 1943. Their death sentence was carried out on April 8, 1943

in Berlin-Plötzensee.

Their actions are now considered a preeminent example for the

unorganized resistance against the National Socialist Dictatorship.

Resistance

After losing Elise’s brother to the war in 1940, the couple changed their

stance towards National Socialism and they made the decision to

resist.

They secretly and in irregular intervals hid handwritten postcards in

mailboxes around their residence on Amsterdamer Straße 10 (Wedding),

as well as in Charlottenburg, Schöneberg, and Kreuzberg.

The anonymous texts were often titled with the words “Free Press!” and

called for an end to the support of the National Socialist Dictatorship, to

an end to the war, and overthrow Hitler.

After going undiscovered for years, Elise and Otto Hampel were observed

distributing their cards in 1942 on Eisenacher Straße in Berlin-

Schöneberg. Their actions were then reported and the secret state police

arrested them.

“every man dies alone”

At the behest of Johannes R. Becher, the former president of the

Cultural Association for the Democratic Renewal of Germany,

Hans Fallada (1893-1947) used the story of Elise and Otto Hampel as the

basis for his novel “Every man dies alone” (1947). The novel has since

been translated into numerous languages and has been adapted several

times into film.