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Poelchaustraße: Erinnerung an

Dorothee Poelchau (1902-1977)

Diplom-Bibliothekarin

Harald Poelchau (1903-1972)

Pfarrer und staatlich geprüfter Fürsorger

Menschlichkeit, als Unrecht Alltag war Mit Mut, Wachsam-

keit und meist illegal halfen Dorothee und Harald Poelchau

während der Naziherrschaft Angehörigen von Gefangenen,

Juden und anderen Verfolgten. Den Bedrohten vermittelten

sie Verstecke, falsche Ausweise oder Bescheinigungen und

praktische Unterstützung fürs Überleben. Dabei arbeiteten sie

mit einem Kreis von Vertrauten zusammen.

Seelsorger im Widerstand Harald Poelchau wurde als Ge-

fängnispfarrer Zeuge von etwa tausend Hinrichtungen. Er war

von 1933 bis 1945 in Tegel, Plötzensee, Moabit und weiteren

Gefängnissen tätig. Dort begleitete er Inhaftierte des deutschen

und ausländischen Widerstands, u.a. der Roten Kapelle, des

Kreisauer Kreises und des 20. Juli 1944. Er war Gesprächspartner,

knüpfte Kontakte, schmuggelte Briefe, übermittelte Nach-

richten und versorgte mit Nahrungsmitteln. Vielen stand er

bis in ihre letzten Stunden zur Seite.

Solidarität als Grundhaltung Harald und Dorothee Poelchau

fragten schon als Studenten nach Erneuerung der Gesellschaft

und Würde aller Menschen. Er erkannte im Religiösen Sozialis-

mus die Verbindung von Christentum und dem Ziel einer

gerechten Gesellschaftsordnung. Von 1941 an beteiligten

sie sich an den Plänen für den Aufbau einer demokratischen,

gerechten und freien Gesellschaft, die im Kreisauer Kreis im

Geheimen erarbeitet wurden.

Gerechte unter den Völkern Weil sie freiwillig und unter

hohem persönlichen Risiko Juden gerettet haben, wurden

Harald und Dorothee Poelchau 1972 von der Gedenkstätte

Yad Vashem in Israel geehrt.

 

(Rückseite)

“Wirksame Hilfe geschieht,

wie alle wahrhaft wirksamen

Ereignisse, absichtslos.

Sie wächst aus unserm

Geöffnetsein von selber.”

Harald Poelchau

 

Zeitzeuginnen erinnern sich

 

“Neben Harald stand seine ihm ganz ebenbürtige Frau, Dorothee.

Ihr Tun für uns war lebensgefährlich, aber das ließen sie in ihr

Bewusstsein gar nicht ein. Sie taten, was sie für richtig hielten ...”

Freya von Moltke

 

“Irgendwie hat es mich damals gestärkt und mir wohlgetan,

mit diesem souveränen und so hilfsbereiten Mann zu sprechen,

der sich offenbar in der uns umgebenden Hölle ebenso gut

auskannte wie ,im Himmel’, der Gegenwelt ...”

Clarita von Trott zu Solz

 

“Ständig mit einem Fuß im Zuchthaus, hilft er, wo er kann, stellt

sich ganz in den Dienst der Nächstenliebe ... Menschen wie

Poelchau sind ein Hort für die Verzweifelnden. Mit dieser Ver-

bindung von Güte und Mut geben sie immer wieder Kraft ...”

Ursula von Kardorff

 

“Poelchau war der ungewöhnlichste Mensch, den ich in der

Nazizeit kennenlernte. Ein Mann, der Half, Juden und politisch

Verfolgte am Leben zu erhalten. Einer, der unter größter eigener

Gefahr Kontakte zwischen Verurteilten und ihren Angehörigen

aufrechterhielt ... Einer, der ausstrahlte, was ihn selbst durch-

halten ließ: den Glauben an das Gute im Menschen.”

Karin Friedrich