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Flughafen Tempelhof – Zwangsarbeiterlager – Rüstungsproduktion

Columbiadamm

Zwangsarbeiterlager
Rüstungsproduktion, Luftwaffenstützpunkt, Zwangsarbeiterlager
Hier auf diesem Gelände erstreckte sich vom Flughafengebäude bis zum
Friedhof Columbiadamm in den Jahren des ZweitenWeltkriegs ein großes
Zwangsarbeiterlager. Weitere Baracken befanden sich am Tempelhofer
Damm und möglicherweise auch am Südrand des Flugfeldes. Die Ge-
schichte der Lagerkomplexe ist noch nicht hinreichend erforscht; die
Bodenspuren werden erst demnächst genauer untersucht.
Gesichert ist, dass die Lager vor allem zu den Produktions- und Werk_
stätten gehörten, die Reichsluftfahrtminister Göring für die »Weser« Flug-
zeugbau GmbH einrichten ließ. Vier der Baracken wurden vom Reparatur-
und Montagebetrieb der Deutschen Lufthansa genutzt. Die gesamte
bei Kriegsbeginn 1939 fast fertig gestellte Flughafen-Anlage diente als
Fliegerhorst. Im Empfangs- und Abfertigungsgebäude und in den Neu-
bauten am Rundplatz waren die Bauleitung der Luftwaffe und Dienst-
stellen des Reichsluftfahrtministeriums untergebracht. Im Flugsteig und
in den riesigen Hallen wurden Kriegsflugzeuge repariert, das Sturzkampf-
Flugzeug JU 87 (»Stuka«) produziert und Funkabwehrgeräte montiert.
Während die deutschen Männer an der Front waren, wurde die Kriegs-
wirtschaft durch Zwangsarbeit aufrechterhalten. Allein in Berlin gab es
weit mehr als tausend Zwangsarbeiterlager. Auf dem Flughafen Tempel-
hof waren Arbeiterinnen und Arbeiter aus den besetzten Ländern einge-
setzt. Anfangs wurden sie angeworben, später meist hierher verschleppt.
Sie kamen vor allem aus Polen, aus der ehemaligen Tschechoslowakei
und seit 1942 aus der Sowjetunion; unter ihnen waren viele Kriegs-
gefangene. 1940 bis 1942 mussten auch zwangsverpflichtete Berliner
Juden bis zu ihrer Deportation hier arbeiten.
Mehrere Bombenangriffe zerstörten die Baracken; das neue Flughafen-
gebäude hingegen blieb weitgehend intakt. Erst wenige Tage vor Kriegs-
ende wurde die Rüstungsproduktion eingestellt.

Forced Labour Camp
Armaments production, air base, forced labour camp
During the Second World War, a large forced labour camp stood here,
extending from the airport building to Columbiadamm Cemetery.
Additional barracks lined Tempelhofer Damm and perhaps the southern
edge of the airfield. The history of the barracks complex has yet to be
adequately researched. The marks it made in ground will be examined
in the near future.
The barracks complex belonged mainly to the production plants and
workshops fitted out at the order of Reich Minister for Aviation Göring for
the aeroplane producerWeser Flugzeugbau GmbH. Four of the barracks
were used by the Deutsche Lufthansa’s repair and assembly workshops.
The entire airport complex, whose construction was almost finished
when Germany started the war in 1939, served as an airbase. The site
management of the Luftwaffe and the offices of the Reich Ministry of
Aviation were housed in the reception and check-in building, as well as
in the new buildings at the rondel. Battle-planes were repaired in the
airport gate and the huge halls. The Stuka dive bomber was produced
here, and radio-defence equipment assembled.
With the men at the front, the Reich's war economy was sustained by
forced labour. In Berlin alone, there were far more than 1,000 forced
labour camps. Male and female workers from the occupied countries
were put to work at Tempelhof Airport. At first, they were enlisted.
Later, most of them were forcibly dispatched to Germany. Most of them
originated from Poland, the former state of Czechoslovakia and, from
1942 on, the Soviet Union. Among them were also many prisoners of
war. Between 1940 and 1942, Berlin Jews were also forced to work
here before they were deported. Allied bombing raids destroyed the
barracks, but the new airport building remained largely intact. Arms
production ceased only a few days before the war ended.

(Die Bildunterschriften lauten:)

1 Luftaufnahme September 1943 mit Barackenkomplex
Aerial photo September 1943 with the barracks

2 Lageplan 1941/43 mit Barackenlager (beziffert mit »9«)
Site plan 1941/43 with barracks (bearing the number 9)

3 Blick nach Osten auf das Lager am Columbiadamm, Januar 1944
A view from the West towards the camp on Columbiadamm, January 1944

4 Eine Frau in der Produktion
Woman on the production line

5 Flugsteig des neuen Flughafens, Abstell- und Umbaubereich
Gate A of the new airport, storage and conversion area

6 Halle 4, Montage der JU 87
Hall 4, assembly of the JU 87 dive bomber

7 Zerstörte deutsche Kampfflugzeuge, 1945
Destroyed German fighter aircraft, 1945

Die schmale, ca. 2,20 m hohe Metallstele ist Teil eines „Informationspfades zur Geschichte des Tempelhofer Feldes”. Sie steht vom Haupteingang Columbiadamm aus gut 100 m innerhalb des jetzigen „Tempelhofer Parks” links vom Wege. Geschaffen wurde sie im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, der Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten, der Tempelhof Projekt GmbH und der Grün Berlin GmbH.

Konzeption, Textentwurf und Redaktion lagen beim Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e.V. (Stefanie Endlich, Monica Geyler-von Bernus und Beate Rossié; http://www.bfgg.de). Gestaltet wurde die Tafel von der Grafikerin Helga Lieser. Für die englische Übersetzung sorgte Robin Benson. Enthüllt wurde sie zusammen mit zwei weiteren Stelen am 4.7.2012 von Stadtenwicklungssenator Michael Müller und Kulturstaatssekretär André Schmitz.

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