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Flughafen Tempelhof - Luftbrücke für DPs / The airlift and DPs

Flughafen Tempelhof

Luftbrücke für DPs
Während der Berlin-Blockade 1948-49 fliegen Transportmaschinen der
Luftbrücke 5536 jüdische Männer, Frauen und Kinder nach Frankfurt am
Main. Sie haben bis dahin als „Displaced Persons“ (DPs) im amerikani-
schen Sektor gelebt.
Seit Herbst 1945 war Berlin Zwischenstation für Tausende jüdischer
Flüchtlinge aus Polen und anderen osteuropäischen Staaten. Als Über-
lebende der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungs-
lager hatten sie ihr Land wegen erneuter Verfolgung und schlechter
Lebensbedingungen verlassen. Allein aus Polen flohen bis zum Herbst
1946 etwa 200 000 Juden. Vor allem nach dem Pogrom von Kielce im Juli
des Jahres nahm die Zahl der Flüchtlinge zu. Sie zogen in die DP-Camps
der amerikanischen Zone; Zehntausende strömten auch nach Berlin.
Von dort wollten sie weiter nach Palästina oder in andere Einwanderungs-
länder, in denen sie sich eine sichere Zukunft erhofften.
Die Alliierten waren uneins über die Aufnahme der Flüchtlinge. Groß-
britannien, Mandatsmacht für Palästina, wehrte Berichte über anti-
semitische Gräueltaten in Osteuropa als zionistische Propaganda ab
und wollte die DPs zurückschicken. Die Sowjetunion erklärte sie zu
Wirtschaftsflüchtlingen, denen es nur um den Zuzug nach Berlin gehe.
Im französischen Sektor entstand ein Auffanglager. Auch die wieder-
gegründete jüdische Gemeinde richtete Lager ein. Als die UDSSR 2500 ‚
Juden aus den Gemeindelagern im sowjetischen Sektor nach Prenzlau
verlegen wollte und die Bewohner sich in den amerikanischen Sektor
flüchteten, gründeten auch die USA eigene Camps. Unter den Bedin-
gungen der Blockade beschlossen sie aber, die Bewohner aus West-Berlin
auszufliegen und auf DP-Camps in ihrer Besatzungszone in Süddeutsch-
land zu verteilen. Mitte September wird auch das französische Lager
aufgelöst, weitere 220 DPs verlassen Berlin. Einige wenige bleiben in
Privatwohnungen zurück.

The airlift and DPs
During the Berlin blockade of 1948-49, airlift planes transported 5,536
Jewish men, women and children to Frankfurt am Main. Until then, they
had been living in the American Sector as displaced persons (DPs).
From autumn 1945 on, Berlin served as a stop-over for thousands of
Jewish refugees from Poland and other East European countries. Having
survived the National Socialist concentration and extermination camps,
they now left their country because of renewed persecution and poor
living conditions. By autumn 1946, over 200,000 Jews had fled from
Poland alone. And the number of refugees continued to grow: especially
after the progrom in Kielce in July that year. They moved into the DP
Camps in the American Zone, while tens of thousands poured into
Berlin. From there, they wanted to continue their journey to Palestine
and other immigration countries, where they hoped to have a more
secure future.
The Allies were divided over the question of taking refugees. Great Britain,
the mandatory power for Palestine, dismissed reports of anti-Semitic
atrocities in Eastern Europe as Zionist propaganda and wanted to send
the DPs back. The Soviet Union declared them to be economic refugees
who were merely interested in moving to Berlin. A reception camp was
established in the French sector. The re-founded Jewish community also
set up camps. When the USSR prepared to move 2,500 Jews from the
community’s camps in the Soviet Sector to Prenzlau and the inhabitants
fled to the American Sector, the USA also founded camps of its own. In
view of the conditions of the blockade, however, they decided to fly the
inhabitants out of West Berlin and to distribute them among the DP camps
in their occupied zone in South Germany. In the middle of September,
the French camp was also dissolved and a further 220 DPs left Berlin.
A few remained behind in private appartments.

(Die Bildunterschriften lauten:)

1 Alltag im Lager, o. J. (um 1947)
Im Camp Schlachtensee gab es je ein Zimmer pro Familie, Gemeinschaftsküchen und
Speisesäle, eine Lagerbibliothek, einen Radiosender und diverse Ausbildungsmöglich-
keiten für die Bewohnerinnen und Bewohner.
Daily life in the camp, photo not dated (ca. 1947)
The Schlachtensee Camp had one room per family, plus communal kitchens and dining
halls, a camp library, a radio station and various educational opportunities for the residents.

2 Das Lager der UN Flüchtlingsorganisation UNRRA im amerikanischen Sektor an der
Potsdamer Chaussee, Berlin-Schlachtensee, o. J.
Das Camp auf einem ehemaligen Militärgelände der deutschen Wehrmacht bestand
von Januar 1946 bis August 1948.
The camp run by UNRRA, the UN refugee organisation, in the American sector on
Potsdamer Chaussee, Berlin-Schlachtensee, photo not dated
The camp which was located on a former German Wehrmacht base existed fromJanuary 1946 to August 1948.

3 Das DP-Lager Tempelhof an der Eisenacher Straße im Ortsteil Mariendorf, o. J. (um 1947)
Das eingezäunte Lager verfügte über eine eigene Polizei, Schule, Kindergarten und
Synagoge.
The DP Camp Tempelhof in Eisenacher Strasse, in the district of Mariendorf, not dated (ca. 1947)
The fenced-in camp had its own police force, school, kindergarten and synagogue.

4 Die Auflösung des Lagers steht bevor; Bewohnerinnen und Bewohner des Mariendorfer
Camps verkaufen einen Teil ihrer Habseligkeiten an die Berliner, Juli 1948
The impending dissolution of the camp: Mariendorf Camp residents sell some of their
belongings tot he Berliners, July 1948

5 Aus dem Transportfahrzeug stiegen die Menschen direkt ins Flugzeug, Flughafen
Tempelhof, 1948
Für die meisten kam die Auflösung der amerikanischen Lager völlig überraschend.
The people leaving the transport vehicle get straight onto the plane, Tempelhof Airport,
1948
For most of them, the dissolution of the American camp came as a complete surprise.

6 Ankunft eines Flugzeugs mit DPs in Frankfurt am Main, 1948
Von Frankfurt aus wurden die Menschen auf verschiedene Camps in der amerikanischen
Besatzungszone verteilt.
An aeroplane with DPs arrives in Frankfurt am Main, 1948
From Frankfurt, people were taken to various camps in the American occupied zone

7 Ausstieg aus einem Flugzeug der Luftbrücke in Frankfurt am Main, 1948
Das letzte Lager für Displaced Persons in der Bundesrepublik besteht nahe München
noch bis 1957. Die letzten Bewohnerinnen und Bewohner werden auf verschiedene
Großstädte verteilt, wo sie oftmals zum Kern der neu entstandenen jüdischen
Gemeinden gehören.
Leaving an airlift plane in Frankfurt am Main, 1948
The remaining camp for displaced persons in the Federal Republic remained in existence
near Munich until 1957. The last inmates were distributed among various cities where
they often constituted the core members of the newly arising Jewish communities.

Die schmale, ca. 2,20 m hohe Metallstele ist Teil eines „Informationspfades zur Geschichte des Tempelhofer Feldes”. Sie steht unweit des Nordwestrands der einstigen nördlichen Start- und Landebahn. Geschaffen wurde sie 2013 im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, der Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten, der Tempelhof Projekt GmbH und der Grün Berlin GmbH.

Konzeption, Textentwurf und Redaktion lagen beim Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e.V. (Stefanie Endlich, Monica Geyler-von Bernus und Beate Rossié; http://www.bfgg.de). Gestaltet wurde die Tafel von der Grafikerin Helga Lieser.

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