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Flughafen Tempelhof – Fluchtpunkt Tempelhof / Flight

Verlängerte Paradestraße

Fluchtpunkt Tempelhof
Zwischen 1950 und 1961 kamen monatlich viele tausend Menschen aus
Ost-Berlin und der DDR nach West-Berlin. Die große Mehrzahl verließ die
Halbstadt wenig später vom Flughafen Tempelhof in Richtung Frankfurt
am Main. Auswanderer aus Ostmitteleuropa steuerten ebenfalls West-
Berlin an; auch ihr Fluchtpunkt war der Flughafen im amerikanischen
Sektor.
Als 1948-49 die Teilung Deutschlands und Berlins immer wahrscheinlicher
wurde, versuchten mehr und mehr Menschen aus Ost-Berlin und der
sowjetischen Zone in die Berliner West-Sektoren umzusiedeln. Allein im
Jahr 1950 wurden mehr als 60 000 Neuankömmlinge gezählt. Unter dem
Ansturm der Flüchtlinge verabschiedete die Bundesregierung ein »Not-
aufnahmegesetz«, das ihren dauerhaften Aufenthalt regelte. Im Februar
1952 trat das Gesetz auch in West-Berlin in Kraft; danach konnten 80
Prozent der hier aufgenommenen Zuwanderer in die Bundesrepublik
ausgeflogen werden.
Die DDR entstand aus der massenhaften Abwanderung großer wirtschaft-
licher und politischer Schaden. Daher setzte das SED-Regime Flüchtlinge
in West-Berlin wie auch deren Familien in der DDR unter Druck und ließ
»Republikflucht« strafrechtlich verfolgen. Ein Transfer der Ausgewander-
ten über DDR-Gebiet kam nicht in Frage; der Luftweg war die einzige
unkontrollierte Verbindung in die Bundesrepublik. Nördlich von hier,
zwischen dem heutigen Tempelhofer Damm und dem Flughafengebäude,
erinnert die »grüne Baracke« an die DDR-Flüchtlinge, die mit dem Flug-
zeug in eine neue, ungewisse Lebensphase gestartet sind.
Nicht Startpunkt, sondern Ziel war Tempelhof für eine andere Gruppe
von Flüchtlingen: Zwischen 1963 und 1983 sind dreizehn Flugzeug-
entführungen aus Ostmitteleuropa dokumentiert. Zeitungen berichten
sogar über knapp zwanzig erfolgreiche Fluchten aus Rumänien, Polen
und der damaligen Tschechoslowakei.

Flight
Between 1950 and 1961, thousands of people arrived in West Berlin from
East Germany and East Berlin. Shortly afterwards the majority of them
left West Berlin from Tempelhof Airport for Frankfurt am Main. Refugees
from Central Eastern Europe also made for West Berlin. They, too, were
heading for the airport in the US Sector.
As the division of Germany became ever more likely from 1948-49 on,
a growing number of people from East Berlin and the Soviet Zone
attempted to settle in the sectors of West Berlin. In 1950 alone, there
were more than 60,000 new arrivals. Faced with such a flood of refugees,
the Federal Government passed a Notaufnahmegesetz (emergency
admission law), regulating their permanent stay. In February 1952, the
law came into effect in West Berlin, too. This made it possible to fly 80
per cent of the immigrants who had been accepted in West Berlin to the
Federal Republic of Germany.
The mass exodus caused the East German state considerable economic
and political damage. In response, the Socialist Unity Party regime put
pressure on refugees in West Berlin, as well as on their families in East
Germany, and made „fleeing the republic“ a punishable offence.
Transporting emigrants through East German territory was out of the
question. The only uncontrolled route to the Federal Republic was by
air. Located to the North, between Tempelhofer Damm and the airport
building, the „Green Barracks“ commemorates the East German refugees
who embarked on a new, uncertain phase in their lives.
For a very different group of refugees, Tempelhof was not the start but the
goal: between 1963 and 1983, there were thirteen cases of aeroplanes
being hijacked from Eastern Europe. Newspapers even reported just over
twenty successful escapes from Romania, Poland and what was formerly
Czechoslovakia.

(Die Bildunterschriften lauten:)

1 Notunterkunft für Flüchtlinge aus der sowjetischen Zone in West-Berlin, 1950er Jahre
Um Schlafplätze zu schaffen, wurden auch leere Fabrikräume besetzt.
Emergency accommodation is given to refugees from the Soviet Zone in West Berlin, 1950s
To provide places to sleep, empty factory space was occupied.

2 Eröffnung der zentralen Anlaufstelle für Flüchtlinge in Marienfelde, April 1953
Heute dokumentiert die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde am historischen
Ort Flucht und Ausreise aus der DDR. (www.notaufnahmelager-berlin.de)
A central assembly point for refugees is opened in Marienfelde, April 1953
Now, the memorial site Notaufnahmelager Marienfelde documents at the historical site
the exodus and departure of people from the GDR. (www.notaufnahmelager-berlin.de)

3 Eingang zur Abfertigung von Sonderflügen im Flughafen Tempelhof, Juli 1961
In Marienfelde anerkannte DDR-Flüchtlinge wurden von Tempelhof auf Kosten der
Bundesrepublik ausgeflogen.
The check in entrance for spezial[!] flights from Tempelhof Airport, July 1961
Acknowledged East Germany refugees were flown from Tempelhof at the Federal
Republic’s expense.

4 Gepäckabfertigung am Rande des Rollfelds, Flughafen Tempelhof, 1952
Checking in baggage on the edge oft he runway, Tempelhof Airport, 1952

5 Einstieg in die Maschine, Flughafen Tempelhof, o.J. (um 1953)
In der Bundesrepublik wurden die Flüchtlinge zunächst auf verschiedene Lager verteilt.
Boarding the plane, Tempelhof Airport, photo not dated (ca. 1953)
In the Federal Republic, the refugees were initially distributed among a variety of camps.

6 DDR-Bürger, die nicht in West-Berlin bleiben wollen, steigen zum Rückflug in die
von dem Ost-Berliner Detlev Tiede entführte polnische Verkehrsmaschine, Flughafen
Tempelhof, 31.8.1978
East German citizens who did not want to stay in West Berlin, boarding the Polish
passenger aircraft, hijacked by East Berliner Detlev Tiede, to fly back home, Tempelhof
Airport, 31 August 1972[!]

7 Vor einer entführten polnischen Verkehrsmaschine wird ein Passagier nach Waffen
durchsucht, Flughafen Tempelhof, 22.11.1982
In front of a hijacked Polish passenger aircraft, a passenger is searched for weapons,
Tempelhof Airport, 22 November 1982

Die schmale, ca. 2,20 m hohe Metallstele ist Teil eines „Informationspfades zur Geschichte des Tempelhofer Feldes”. Sie steht unweit des Zugangs vom U-Bahnhof Paradestraße auf einer Grünfläche beim Werner-Loebermann-Weg. Geschaffen wurde sie 2013 im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, der Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten, der Tempelhof Projekt GmbH und der Grün Berlin GmbH.

Konzeption, Textentwurf und Redaktion lagen beim Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e.V. (Stefanie Endlich, Monica Geyler-von Bernus und Beate Rossié; http://www.bfgg.de). Gestaltet wurde die Tafel von der Grafikerin Helga Lieser. Für die englische Übersetzung sorgte Robin Benson.

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