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Flughafen Tempelhof – Baugeschichte und Gesamtanlage / Tempelhof Airport – The Construction and the Overall Complex

Platz der Luftbrücke

Flughafen Tempelhof
Baugeschichte und Gesamtanlage
Der in der NS-Zeit errichtete Flughafen Tempelhof sollte als »Weltflug-
hafen« der Machtdemonstration des Regimes dienen, aber auch alle
Anforderungen an einen modernen Verkehrsbau erfüllen. Der Vorgänger-
Flughafen stieß bereits zu Beginn der 1930er Jahre an die Grenzen seiner
Kapazität. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten
verfügte Hitler den Bau der neuen Anlage, ihre doppelte Nutzung als
Militär- und Zivilflughafen sowie die stadträumliche Anbindung an die
Nord-Süd-Achse im Rahmen der Neugestaltungsplanungen für Berlin.
1935 erhielt der Architekt Ernst Sagebiel den Bau-Auftrag. Bauherr war
das Reichsluftfahrtministerium.
Die Anlage setzt sich zusammen aus der Ellipse des Flugfelds und dem
gewaltigen, an ihrem nordwestlichen Scheitelpunkt angeordneten Gebäu-
dekomplex. Er besteht aus einer Abfolge symmetrischer Bauteile: Ein
großer, nur zum Teil realisierter Rundplatz mündet in einen von Flügel-
bauten für die Verwaltung gefassten »Ehrenhof«, der zu dem monumen-
talen Empfangsgebäude hinleitet. Auf diesen Querbau folgt das längs-
gerichtete Abfertigungsgebäude. Den Abschluss bildet der 1230 Meter
lange, durch Türme gegliederte Bogen des Hangars und des Flugsteigs.
Die gesamte Anlage ist axial auf Schinkels Nationaldenkmal für die
Befreiungskriege auf dem Kreuzberg von 1821 ausgerichtet.
Die 1936 begonnenen Bauarbeiten kamen im Laufe des Zweiten Welt-
kriegs zum Erliegen. Unvollendet blieben zum Beispiel die Treppentürme.
Sie waren als Aufgänge zu den geplanten Dach-Tribünen gedacht, die
mehr als 80 000 Zuschauern etwa bei den von Hitler geforderten Flug-
schauen der Luftwaffe Platz bieten sollten. Im Krieg befanden sich im
Neubau Produktionsstätten der Rüstungsindustrie und die Kommandantur
für das zum Fliegerhorst erklärte Gesamtgelände einschließlich des alten,weiterhin genutzten Flughafens. Erst die US Air Force nahm nach 1945 den Flugbetrieb im neuen Flughafen auf.

Tempelhof Airport
The Construction and the Overall Complex
Tempelhof Airport, which was built as a “World Airport” under National
Socialist rule, was conceived as a demonstration of the regime’s power,
while simultaneously fulfilling all the requirements of a modern traffic
centre. By the early 1930s, the previous airport hat already reaches full
capacity. After the National Socialists come to power, Hitler ordered the
construction of a new airport, its dual use as a military and civilian
airport, and the establishment of an urban link to the North-South axis
as port of the new planning concept for Berlin. In 1935, the architect
Ernst Sagebiel was commissioned to build the airport. The client was the
Reich Ministry of Aviation.
The complex is composed of an ellipse created by the aerodrome and the
vast building complex extending along its north-western vertex. It consists
of a series of symmetrical sections, starting with a large circular square
(only partly completed) that opens into a “Court of Honour” flanked by
administration wings. This court, in turn, leads to the reception building
and the terminal building. The ensemble culminates in an arc-shaped
building (1,230 metres long) that is subdivided by towers and accommo-
dates the hangars and the boarding gate. The entire complex is related
axially to Schinkel’s Kreuzberg Monument, dating from 1821.
Construction, which began in 1936, ceased during the Second World War.
The stair towers, for instance, remained unfinished. They were designed
as ascents to the planned roof tribune, which was scheduled to hold more
than 80,000 spectators at the Luftwaffe air displays projected by Hitler.
During the war, the new building ensemble contained production centre
for the armaments industry, al well as a commandant’s office. The overall
complex, including the old airport, which was still in use at the time, was
designated an airbase. The first flights were flown from the new airport
after 1945, when the US Air Force began operating from the airport.

(Die Bildunterschriften lauten:)

1 Luftbild der Flughafen-Bauten, 1968
Aerial photograph of the airport buildings 1968

2 Bauarbeiten am Flugsteig und am Dachaufbau für das geplante Restaurant,
Dezember 1937
Construction work on the boarding gate and the planned restaurant building,
December 1937

3 Luftaufnahme des neuen und des alten Flughafens im Berliner Stadtbild
(Ausschnitt), 1939
Die erste Anlage lag bis zu ihrem Abriss in der Nachkriegszeit inmitten des neuen
Flugfelds.
Aerial photograph of the new and the old airport and the surrounding city of Berlin
(detail), 1939
Until it was demolished during the post-war period, the original airport building
stood in the middle of the new airfield.

4 Reichsluftfahrtminister Göring und Architekt Sagebiel vor dem Modell des neuen
Flughafens, der »nach militärischen Gesichtspunkten ausgebaut« werden sollte,
Dezember 1937
Reich Minister of Aviation, Hermann Göring, and the architect Ernst Sagebiel, in front of
the model of the new airport, which was to be „built in accordance with military criteria“,
December 1937

5 Modellansicht des Vorplatzes in der ursprünglichen Planung, o.J. (um 1938)
A model view of the forecourt in the original plans, photo not dated (ca. 1938)

6 Modellansicht der geplanten Kaskaden-Architektur zwischen dem Flughafen und
dem Nationaldenkmal für die Befreiungskriege auf dem Kreuzberg, o.J. (um 1938)
Model view of the planned cascade architecture between the airport and
the National Monument for the Wars of Liberation, photo not dated (ca. 1938)

Die schmalen, ca. 2,20 m hohen Metallstelen sind Teil eines „Informationspfades zur Geschichte des Tempelhofer Feldes”. Sie stehen nebeneinander auf dem sog. Adlerplatz vor der einstigen Zugangshalle des Flughafens. Der deutsche Text ist mit Blickrichtung Flughafen zu lesen, der englische mit Blick zum Platz der Luftbrücke. Die linke Stele (deutsche Seite) behandelt “Baugeschichte und Gesamtanlage”, die rechte Stele “Die Architektur”. Geschaffen wurden sie 2013 im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, der Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten, der Tempelhof Projekt GmbH und der Grün Berlin GmbH.

Konzeption, Textentwurf und Redaktion lagen beim Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e.V. (Stefanie Endlich, Monica Geyler-von Bernus und Beate Rossié; http://www.bfgg.de). Gestaltet wurden die Tafeln von der Grafikerin Helga Lieser.
 

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