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Columbia-Haus

Columbiadamm

Columbia-Haus
Militär-Arrestanstalt, Gestapo-Gefängnis und Konzentrationslager
Das Gestapo-Gefängnis Columbia-Haus wurde wie viele andere frühe
»Schutzhaft«-Lager in einem heruntergekommenen öffentlichen
Gebäude eingerichtet. Das stand leer, weil die sanitären Verhältnisse
den hygienischen Anforderungen der Weimarer Republik nicht mehr
entsprachen. Ab Sommer 1933 waren die 156 Haftzellen mit Gegnern
des NS-Regimes überfüllt. Die Häftlinge wurden von den Gestapo- und
SS-Männern eingeschüchtert, gequält und gefoltert, mehrere ermordet.
Das mit etwa 450 Gefangenen belegte Haus war ein Ort völliger
Rechtlosigkeit.
Die Unterstellung unter die »Inspektion der Konzentrationslager« im
Dezember 1934 brachte keine Verbesserung der Haftbedingungen. Die
willkürlichen Schikanen und Misshandlungen der Anfangszeit wurden
durch eine ausgefeilte Lagerordnung mit drakonischen Disziplinar- und
Strafbedingungen ersetzt. Die hygienischen Verhältnisse, Verpflegung
und Krankenversorgung blieben erbärmlich. Insgesamt waren im
Columbia-Haus mindestens 8000 Männer eingesperrt, vor allem Kom-
munisten, Sozialdemokraten, Intellektuelle, engagierte Ärzte, Rechts-
anwälte, Journalisten, Geistliche, im Jahr 1935 auch viele Homosexuelle.
Jüdische Häftlinge wurden besonders gequält. Unter den Häftlingen
waren zahlreiche Prominente der Weimarer Republik.
SS-Kommandanten und Wachmänner konnten sich im Columbia-Haus
für ihren Einsatz in anderen Konzentrationslagern »bewähren«, so auch
Karl Otto Koch, später Kommandant der KZ Sachsenhausen, Buchenwald
und Lublin-Majdanek. Im November 1936 löste man das KZ Columbia
auf und brachte die Gefangenen in das neu erbaute KZ Sachsenhausen
bei Oranienburg, von nun an das »Musterlager« der Reichshauptstadt.

Columbia-Haus
Military Detention Centre, Gestapo Prison and Concentration Camp
The Columbia-Haus Gestapo prison, like so many of the early “protective
custody” camps, was housed in a dilapidated public building. It was
standing empty because the sanitary conditions no longer fulfilled the
hygiene requirements of the Weimar Republic. From summer 1933 on,
its 156 prison cells were overcrowded with opponents of the Nazi regime.
The prisoners were intimidated, tormented and tortured by the Gestapo
and SS men. Several were murdered. Complete lawlessness reigned in
the building, which held about 450 prisoners.
There was no improvement in prison conditions after it was placed
under the “Inspektion der Konzentrationslager” in December 1934. The
arbitrary harassment and maltreatment that prevailed during the early
days gave way to a sophisticated camp system of rules with draconic
discipline and terrible penal conditions. The hygienic conditions,
catering and health care were miserable from the very start. All in all,
at least 8,000 men were interned in Columbia-Haus. Most of them
were communists, social democrats, intellectuals, politically active
doctors, lawyers, journalists and clergymen. In 1935, their number
included many homosexuals, too. Jewish prisoners suffered particularly
cruel treatment. Also among those imprisoned there were numerous
prominent figures from the Weimar Republic.
SS commandants and guards at Columbia-Haus were able to “prove
themselves suitable” for work in other concentration camps. This was
the case with Karl Otto Koch, for instance, later commandant of the
Sachsenhausen, Buchenwald and Lublin-Majdanek camps. In November
1936, Columbia Concentration Camp was closed and the prisoners
taken to the newly constructed Sachsenhausen Concentration camp
outside Oranienburg – from then on the Reich capital’s “exemplary camp”.

Die schmale, ca. 2,20 m hohe Metallstele ist Teil eines „Informationspfades zur Geschichte des Tempelhofer Feldes”. Sie steht am Standort des einstigen Columbia-Hauses am Columbiadamm südwestlich gegenüber der Einmündung der Golßener Straße und bildet eine inhaltliche Einheit mit einer zweiten in etwa 12 Meter Entfernung aufgestellten Tafel. Geschaffen wurde sie im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, der Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten, der Tempelhof Projekt GmbH und der Grün Berlin GmbH. Konzeption, Textentwurf und Redaktion lagen beim Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e.V. (Stefanie Endlich, Monica Geyler-von Bernus und Beate Rossié; http://www.bfgg.de/projekte.html). Gestaltet wurde die Tafel von der Grafikerin Helga Lieser. Für die englische Übersetzung sorgte Robin Benson. Enthüllt wurde sie zusammen mit zwei weiteren Stelen am 4.7.2012 von Stadtenwicklungssenator Michael Müller und Kulturstaatssekretär André Schmitz.

Bildunterschriften deutsche Inschriftenseite:
Bauplan der Kaserne mit Militär-Arrestanstalt am Südrand, 1913
Plan of the barracks with the military detention centre on the southern edge of the
grounds, 1913

Unter den Häftlingen war der Kabarettist Werner Finck, hier 1933 in der
»Katakombe«
One of the prisoners was the cabaret artiste Werner Finck, here in the “Catacomb”,
1933

Brief des Arztes Georg Benjamin vom 14. Mai 1936. Benjamin starb 1942 im KZ
Mauthausen.
Letter of 14 May 1936 by the physician Georg Benjamin. Benjamin died in Mauthausen
Concentration Camp in 1942.

Bildunterschriften englische Inschriftenseite:
KZ-Kommandant Karl-Otto Koch (rechts), Foto aus dem SS-Dienstalbum
Concentration Camp commandant Karl-Otto Koch (right), photo from the official
SS camp album

KZ Sachsenhausen, 1937
Sachsenhausen Concentration Camp, 1937

Denkmal des Bildhauers Georg Seibert für die Opfer des Columbia-Hauses,
errichtet 1994 am Columbiadamm Ecke Golßener Straße
Monument by the sculptor Georg Seibert for the victims of Columbia-Haus, erected at
the corner of Columbiadamm and Golßener Strasse in 1994

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