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© Foto: Holger Hübner
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Werner

Klemke

Park

»Unter ›Bücher machen‹ verstehe ich,

einem Buch durch Auswahl der Papiersorte

und der Lettern, durch Satzanordnung und Buchschmuck

Gestalt zu geben mit allen Zutaten, die nötig sind,

den Absichten des Verfassers gerecht zu werden und

dem Leser das Lesen zu erleichtern.«

(Foto: Werner Klemke, 7. Januar 1981)

Werner Klemke (1917-1994), Grafiker, Buchkünstler und Hochschullehrer wurde am 12. März 1917

als Sohn eines Tischlers in Weißensee geboren. Nach dem Abitur am humanistischen Köllnischen

Gymnasium in Berlin und dem vorzeitigen Abbruch einer Ausbildung als Zeichenlehrer, arbeitete

er als Trickfilmzeichner.

Während des Zweiten Weltkrieges war Werner Klemke Wehrmachtssoldat in der Schreibstube

einer Flak-Batterie im besetzten Holland. Hier nutzte er seine Fähigkeiten auch dazu, für Juden

Ausweispapiere zu fälschen. Durch seine illegale Tätigkeit half er zusammen mit einer

Widerstandsgruppe, zahlreiche holländische Juden vor der Deportation zu retten. 1941 heiratete

er die Malerin und Trickfilmzeichnerin Gertrud Stremlau 81913-1988).

Nach Kriegsende in Ostfriesland interniert, kehrte Werner Klemke 1946 nach Berlin zurück. Er

befasste sich mit Schriftgestaltung, eignete sich neue grafische Techniken an und veröffentlichte

in Zeitungen und Zeitschriften Zeichnungen und kleine Bildfolgen. Gemeinsam mit seiner Frau

gründete er die Grafikwerkstatt »Die Zeichenstube«. Ein Auftrag über hundert Holzstiche für die

»Humoristischen Skizzen« von Georg Weerth (1822-1856) machte Werner Klemke 1949 einem

größeren Publikum bekannt. Die Illustrationen zum »Decamerone« von Giovanni Boccaccio

(1313-1375) brachten ihm 1958 internationale Anerkennung. Ab 1951 war er Dozent und von

1954 bis 1982 Professor an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee.

Eine Studienreise 1954 nach China beeinflusste stark sein weiteres künstlerisches Schaffen.

Werner Klemkes buchkünstlerische Arbeiten, die Illustrationen für Zeitschriften, die Plakate, die

Entwürfe für Bühnenbilder und Kostüme zeichneten sich durch virtuelle Handhabung der

Gestaltungsmitte, Leichtigkeit in der Ausführung und Einfallsreichtum aus. Für Generationen

von Künstlerinnen und Künstlern war er eine Institution und sein unverkennbarer Stil ein

Markenzeichen. Werner Klemke war ab 1963 Mitglied der Akademie der Künste der DDR. Er

gehörte zu den Mitbegründern der 1956 von Bücherfreunden, Grafik- und Exlibris-Sammlern

initiierten Pirckheimer-Gesellschaft.

Generationen von Kindern wuchsen mit den von ihm liebevoll illustrierten Büchern »Hirsch Heinrich«

und »Grimms Märchen« auf. Seine Bilder waren Farbtupfer im Alltag der DDR.

Bis zu seinem Tode am 14. August 1994 lebte Werner Klemke, lediglich unterbrochen durch die

Kriegszeit, in Berlin-Weißensee. Sein Grab befindet sich auf dem St.-Hedwig-Friedhof in

Weißensee. An dem ehemaligen Wohnhaus und der Arbeitsstätte in der Tassostraße 21 erinnert

eine Berliner Gedenktafel an ihn.