http://www.gedenktafeln-in-berlin.de/uploads/tx_tafeln/Schwanenwerder_fuenf_300413_2_Kopie_03.jpg
© Foto: gedenktafeln-in-berlin.de
http://www.gedenktafeln-in-berlin.de/uploads/tx_tafeln/Schwanenwerder_fuenf_300413_2_Kopie_03.jpg http://www.gedenktafeln-in-berlin.de/uploads/tx_tafeln/Schwanenwerder_fuenf_bei_Enthuellung_300413_2-1_Kopie_03.jpg

INSEL

SCHWANENWERDER

Eine zerstörte Kultur

Mit der Machtübertragung an die National-

sozialisten begannen 1933 auch auf Schwa-

nenwerder tief greifende Umwälzungen. Es

kam zu zahlreichen verfolgungsbedingten

Verkäufen von Grundstücken jüdischer

Eigentümer. Diese Verkäufe waren auch

vor dem 3. Dezember 1938, an dem die

„Verordnung über den Einsatz jüdischen Vermögens“ in Kraft

trat, in den seltensten Fällen freiwillig: Wenn es sich nicht um

ausdrückliche Zwangsverkäufe handelte, so war der Anlass in

fast allen Fällen die mit der Emigration zu

zahlende „Reichsfluchtsteuer“ und weitere

Zwangsabgaben. Nutznießer war die NS-

Elite, die 1939 ein Drittel der Grundstücke

besaß, unter ihnen Joseph Goebbels, der

Architekt Albert Speer und Hitlers Leibarzt

Theodor Morell.

Angesichts der zunehmenden Diskriminie-

rung der jüdischen Bevölkerung verließ

Walter Sobernheim mit seiner Ehefrau

Deutschland bereits 1933. Der noch markt-

gerechte Verkaufspreis seines Anwesens wurde jedoch auf ein

„Auswanderersperrkonto“ überwiesen. Auch Werner Feilchenfeld

emigrierte 1934 frühzeitig. Seine beiden Grundstücke verkaufte er

an Alfred Gugenheim und die Ehefrau des

Landgerichtsrats Herbert Gidion. Beide sa-

hen sich 1938 zur Veräußerung gezwungen

und konnten rechtzeitig das Land verlassen.

Als Leo Goldstaub und seine Ehefrau 1934

auswanderten, ließen sie ihr Eigentum zu-

rück, das in ihrer Abwesenheit zwei Jahre

später unrechtmäßig versteigert wurde.

Georg Solmssen überschrieb 1936 die

Immobilie seiner protestantischen Ehefrau

und beide emigrierten. Dies ermöglichte

ihnen wenigstens, 1939 aus der Ferne Kaufverhandlungen ohne

die üblichen Schikanen zu führen und anschließend über das

Geld zu verfügen.

Samuel Goldschmidt und seine Frau wurden

nach ihrer Emigration 1938 zu einem un-

angemessen niedrigen Verkaufspreis ihres

Grundstücks gezwungen. Im selben Jahr

musste auch die Baronin Marie-Anne von

Goldschmidt-Rothschild ihr Eigentum zu

einem sehr geringen Preis veräußern.

Die Ehefrau des 1930 verstorbenen Arthur

Salomonsohn verließ 1939 gemeinsam mit

ihren beiden Söhnen das Land. Auch sie

erhielt keinen marktüblichen Gegenwert

für ihre Immobilie.

Die Erben des 1935 verstorbenen Kaufhausbesitzers Berthold

Israel, dessen Firma „arisiert“ wurde, konnten ihr Grundstück

zunächst durch die Vermietung an ein befreundetes Unternehmen

schützen. Nach ihrer Emigration im Jahr 1939 wurde ihnen aber

die Eintragung als rechtmäßige Erben in das Grundbuch verweigert

und ein Verwalter eingesetzt.

Die nationalsozialistische Vereinnahmung der Insel gipfelte im

Umbau des Landhauses Inselstraße 38 als „Reichsbräuteschule“,

in der ab 1938 die Verlobten von SS- und NSDAP-Funktionären

ideologisch auf ihre ehelichen Pflichten vorbereitet wurden.

Schwanenwerder blieb aufgrund der Ferne zum Zentrum Berlins

von Bombenangriffen weitgehend verschont. Bei Kriegsende war

die NS-Prominenz verschwunden.

 

An idyll destroyed

When the Nazis came to power in 1933,

radical changes also took place on

Schwanenwerder. Several Jewish house-

owners were forced to sell their properties.

Even before 3rd December 1938, when the

“decree on the use of Jewish assets” came into effect, these

sales were concluded under extreme pressure. If the owners

were not expressly forced to sell, most did so in order to pay

the “Reich flight tax” payable before emi-

gration or other newly introduced special

taxes. The beneficiaries were members of

the Nazi elite. By 1939, a third of the plots

were owned by prominent Nazis, including

Joseph Goebbels, the architect Albert Speer

and Hitler’s personal physician Theodor

Morell.

Walter Sobernheim and his wife left

Germany in 1933 to escape the increasing

anti-Semitic discrimination. They sold their

property at a fair price but the proceeds of the sale were trans-

ferred to a blocked “emigrants’ account”. Werner Feilchenfeld

emigrated soon after, in 1934. He sold his two properties to

Alfred Gugenheim and the wife of the

regional court judge Herbert Gidion. Both

were forced to sell again in 1938 and were

able to leave the country.

Leo Goldstaub and his wife left their proper-

ty behind when they emigrated in 1934.

Two years later, it was wrongfully auctioned

in their absence. Georg Solmssen conveyed

the ownership of his property to his

Protestant wife before they emigrated. In

this way, they were able to sell it in 1939

from abroad without the usual harassment and subsequently

have access to the proceeds

Samuel Goldschmidt and his wife were forced to sell their proper-

ty well below value after their emigration

in 1938. In the same year, Baroness Marie-

Anne von Goldschmidt-Rothschild was also

forced to sell her property at a very low

price. The widow of Arthur Salomonsohn,

who had died in 1930, left the country with

her two sons in 1939, never to receive an

equivalent sum for her property.

The heirs of the department store owner

Berthold Israel, who had died in 1935 and

whose business had been “Aryanized”, were

initially able to protect their property by renting it to a friendly

company. After their emigration in 1939, however, the authorities

refused to enter them in the land register as the rightful heirs

and the property was taken over by an administrator.

The Nazi takeover of the island climaxed with the conversion of

the country house at Insel Strasse 38 into a “Reich school for

brides” where the fiancées of SS and Nazi Party functionaries

were ideologically prepared for marriage.

In its secluded location away from the centre of Berlin, Schwanen-

werder escaped any substantial bomb damage. By the end of

the war, the high-ranking Nazis had disappeared.