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© Foto: Holger Hübner

Erinnern - nicht vergessen

(Foto)

Ilse Stöbe (rechts), Frieda Stöbe und Kurt Müller

Ilse Stöbe *19. Mai 1911 Berlin – 22. Dezember 1942 Berlin Plötzensee

Frieda Stöbe, *15. August 1881 – 16.[!] Januar 1943[!] Konzentrationslager Ravensbrück

Kurt Müller *2. Februar 1903 – 26. Juni 1944 Brandenburg-Görden

lebten seit 1932 in der Frankfurter Allee 202

Die im Arbeitermilieu des Berliner Ostens aufgewachsene

llse Stöbe arbeitet seit 1928 am liberalen Berliner Tageblatt

und wird 1930 Sekretärin des Chefredakteurs Theodor

Wolff. Sie ist mit dem Redakteur und Kommunisten Rudolf

Herrnstadt befreundet, der mit dem sowjetischen militä-

rischen Nachrichtendienst zusammenarbeitet. 1935 geht

Ilse Stöbe nach Warschau und beginnt als Journalistin für

schweizer Zeitungen und Anfang 1939 auch für deutsche

Zeitungen zu arbeiten.

Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges kehrt Ilse Stöbe

nach Deutschland zurück. Im Mai 1940 wird sie Mitar-

beiterin des Auswärtigen Amtes. In Berlin setzt sie die von

Herrnstadt begonnene Zusammenarbeit mit dem Diplo-

maten Rudolf von Scheliha fort. Von ihm erhält sie zahl-

reiche Informationen über den bevorstehenden Überfall

auf die Sowjetunion und leitet sie an die sowjetische Bot-

schaft weiter. Ihre Warnungen werden von Stalin ignoriert.

Mit dem Einfall deutscher Truppen bricht der Kontakt

nach Moskau ab. Der Nachrichtendienst der Roten Armee

versucht vergeblich mit Ilse Stöbe wieder Kontakt aufzu-

nehmen. Davon erfährt die Gestapo und nimmt sie am

12. September 1942 fest. Am 14. Dezember werden Ilse

Stöbe und Rudolf von Scheliha vom Reichskriegsgericht

zum Tode verurteilt und am 22. Dezember in Berlin-

Plötzensee hingerichtet.

Im Januar 1943 helfen die Mutter Frieda Stöbe und der

Bruder Kurt Müller von der Deportation bedrohten Juden.

Die Schwester von Frieda Stöbe, Anna Stappenbeck, ver-

steckt sie in ihrem Haus in Schönwalde bei Berlin. Nach

der Aufdeckung wird Frieda Stöbe im September 1943

verhaftet. Ende 1943 in das KZ Ravensbrück verschleppt

und kommt dort am 19. Januar 1944 um. Kurt Müller,

ebenfalls im September 1943 festgenommen, wird wegen

Hochverrats angeklagt, zum Tode verurteilt und im Zucht-

haus Brandenburg-Görden hingerichtet. Die Familie Stöbe

ist ausgelöscht.

Von 1971 bis 1990 war eine Berufsschule in Lichtenberg

nach Ilse Stöbe benannt.