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© Foto: Holger Hübner

Im Gedenken

an alle jungen

Menschen, die

hier Schaden

an Leib und

Seele nahmen

In diesem Gebäude befand sich von 1952

bis 1989 ein Durchgangsheim der DDR-

Jugendhilfe. Hier wurden Kinder und Jugend-

liche im Alter von 6 bis 17 Jahren eingewie-

sen, die dem Menschenbild der DDR-Diktatur

nicht entsprachen, gegen Gesetze verstoßen

haben oder Hilfe benötigten. Es war nicht

möglich, gerichtlich gegen die Einweisung

vorzugehen. Rechtsstaatliche Grundsätze

wurden dabei missachtet.

Manche Kinder und Jugendliche waren nur

einen oder wenige Tage im Durchgangsheim,

manche auch mehrere Monate. Danach

wurden sie in Normalheime, Spezialkinder-

heime oder Jugendwerkhöfe überführt oder

sie kamen zurück zu ihren Eltern.

Mit seinen Sicherungseinrichtungen glich das

Gebäude einem Gefängnis. Die Kinder und

Jugendlichen hatten keinen Kontakt zu ihren

Familien. Sie durften nicht zur Schule gehen

und erhielten im Heim nur eingeschränkten

Unterricht. Jugendliche ab 14 Jahren wurden

zur Arbeit gezwungen, u.a. in Berliner

Fleisch-, Süßwaren- und Kosmetikfabriken.

Die Erziehung war auf Einschüchterung und

Unterordnung ausgerichtet. Es herrschte

militärischer Drill. Fluchtversuche, Arbeits-

verweigerung und „Renitenz” wurden mit

Arrest in 4,5 m² großen Arrestzellen bestraft.

Dort gab es einen Hocker, einen Eimer als

Toilette und nachts eine Matratze. All dies

war in den staatlichen Vorgaben so vor-

gesehen und verletzte Menschenrechte.

Nicht erlaubt, aber durchaus üblich, waren

Essensentzug als „Erziehungsmaßnahme”

und Kinderarbeit. Die Insassinnen und In-

sassen waren gewalttätigen und sexuellen

Übergriffen und der Willkür von Erziehe-

rinnen und Erziehern ausgesetzt. Mobbing

und Hackordnung unter den Kindern und

Jugendlichen wurden toleriert.

Mit der Friedlichen Revolution 1989 wurde

dieser menschenunwürdige Umgang mit

Kindern und Jugendlichen an diesem Ort

beendet.