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© Foto: Holger Hübner

Das Lager für jüdische Displaced Persons in Mariendorf (1946 - 1948)

(Linke Spalte)

Im Wohnblock zwischen der Eisenacher Straße,

Rixdorfer Straße, dem Dirschelweg und der Äneas-

straße wurde im August 1946 von der Flüchtlings-

organisation der Vereinten Nationen UNRRA ein

Lager für jüdische Displaced Persons (DPs) einge-

richtet.

Bedingt durch die schlechte wirtschaftliche Lage

und antisemitische Pogrome in Polen, begann im

Herbst 1945 ein starker Zustrom von jüdischen

Überlebenden der Schoah nach Berlin. Um diesen

Menschen ein vorübergehendes Zuhause zu bieten,

wurden im Laufe des Jahres 1946 in den West-

sektoren von Berlin drei Lager eingerichtet: am Eich-

borndamm in Wittenau, an der Potsdamer Chaussee

in Zehlendorf und hier an der Eisenacher Straße in

Mariendorf.

(Rechte Spalte)

In diesen, durch einen bewachten Zaun von der

deutschen Bevölkerung abgetrennten Lagern

entstand für die Dauer von zwei Jahren eine selbst-

verwaltete „Jüdische Stadt” mit einer eigenen

Polizei, eigenem Gerichtsstand, vielen Kulturein-

richtungen, Synagogen, einer Schule und einem

Kindergarten.

Zu Beginn der sowjetischen Blockade der West-

sektoren am 24. Juni 1948 beschlossen die West-

mächte, die drei DP-Lager aufzulösen. Die Bewoh-

ner wurden mit „Rosinenbombern” ausgeflogen,

die auf dem Rückflug von West-Berlin nach West-

deutschland ohne Fracht waren. Damit ging die

kurze Geschichte der kleinen „Jüdischen Stadt” in

Mariendorf zu Ende.